Brüllen, Zertrümmern und weg.

22. August 2008

Fünf Stunden Busfahrt liegen hinter mir und ich glaube, dass der Wert blinder Zerstörungswut durchaus unterschätzt wird. 5 Stunden wurde die Mär vom milchbärtigen kambodschanischen Mopedfahrer gezeigt, der um ein sich zierendes Mädchen buhlt und nach anfänglichen Rückschlägen am Ende ihr Herz erobert. Auf der Honda Dream düsen dann nach fünf Minuten musikalischem Gruselkabinett beide entlang des Boulevard d‘Amour. Herzerwärmend; aber leider auch ohrenbetäubend.
Unterbrochen wurde diese, über Monitor und Bordlautsprecher emittierte Karaoke-Show nur von einem noch wahnwitzigeren Fernsehlustspiel. Dieses war derart verrückt, dass mich außer Stande sehe, auch nur die abstrakteste Aussage über seinen Inhalt zu treffen. Kreischen und Singen spielten in jedem Fall eine wichtige Rolle.
Angesichts solcher fürchterlicher Mainstreamkultur in Kambodscha ist es besonders traurig, dass mir in der gesamten Zeit, die ich hier bin, noch niemand über den Weg gelaufen ist, der diesen Karaoke-Säußel Mist ablehnt. Vielleicht gibt ja hier irgendwo den einen oder die andere, die diesen Unsinn auch nicht ausstehen können. In irgendeinem Sinne präsent sind diese aber jedenfalls nicht.

Wohnung, die zweite.

22. August 2008

Seit fast vier Monaten lebe ich nun bereits in Kambodscha und daher endete nun unlängst auch der Mietvertrag für meine alte Wohnung, die im Vergleich zu meiner neuen in der Retrospektive eher den Namen Bude verdient, dem Begriff also mit dem dereinst Studenten ihre spartanischen Behausungen zu betiteln pflegten. Die neue Wohnung ist da schon eher nach meinem Geschmack: zwei Schlafräume ein Wohnzimmer, zwei Badezimmer, ein Balkon – und das alles auf zwei Etagen verteilt.
Nun mag man sich infolge dieser Beschreibung einen Palast vorstellen. Aber nein, das ist die Wohnung ganz sicher nicht. Die Räume sind klein, die Ausstattung ist ein wenig heruntergewirtschaftet. Dafür liegt sie in einer kleinen Seitengasse, in der fast nur kambodschanische Familien wohnen und in der wir von dem womöglich einzigen niedlichen Kind auf der Welt immer mit »Hello, bye bye, How are you?« begrüßt werden. Vor allem aber ist die Wohnung unglaublich charmant und dazu mit 250 $ auch noch 50 $ billiger als die alte.

Nochmals zu Besuch in Tuol Sleng und auf den Killing Fields

11. August 2008

Auf den Killing Fields erinnert eine gläserne Stupa an die von den Roten Khmer Getöteten. Eine mir unbekannte Zahl von Schädeln, die aus den Massengräbern geborgen wurde, ist in jener Stupa aufgebahrt. Scheint mir diese Form des Mahnmals durchaus gelungen zu sein, so ist doch die kleine Ausstellung inhaltlich sehr schlecht geraten. Wenig informativ und von der Gesamttendenz scheint das wichtigste zu sein zu beweisen, dass das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte in Kambodscha verübt wurde. Warum allerdings über 20.000 Tote auf den Killing Fields von Phnom Penh nicht ohne solche Qualifizierungen als schlimm genug empfunden werden, ist mir völlig unklar.

Ein erneuter Besuch im Tuol Sleng Museum, dem einstigen Foltergefängnis (Codename S21) der Roten Khmer, zeigt, dass hier vieles auf eine bizarre Art ästhetisch wirkt. Nicht nur der Gesamtaufbau der ehemaligen Oberschule trägt zu diesem Eindruck bei. Über außen liegende Galerien sind die Klassenräume oder eben Haft- und Folterräume zu erreichen. Das hell-dunkel Karomuster der Fließen und eine gepflegte Grünanlage im Hof tun das ihrige zu diesen Eindruck hinzu.
Die ausgestellten Portraiaufnahmen der einstigen Insassen sind unglaublich ausdruckstark und man meint von ihnen auf den Charakter all derjenigen schließen zu können, die allesamt umgebracht worden sind – verzweifelt, unbeirrbar, stoisch oder verängstigt.

Eine separate Ausstellung in einem der vier Schulgebäude zeigt die Geschichte der Roten Khmer und liefert interessante Eindrücke von der Inszenierung der Roten Khmer.

Phnom Penh bei Nacht.

11. August 2008

Drag-Show in einer Gay Bar.

Monatliche Freitags-Pool Party:

Mönche sind in der kambodschanischen Gesellschaft allseits anerkannte Respektspersonen.

28. Juli 2008

Sie leben überall im Land in Wats und verdingen sich dabei als Bettelmönche. Wenn man durch die ländlichen Gebiete Kambodschas fährt, kann man äußerst häufig – teils prächtige – kleine Tempel sehen, die in vielen Fällen erst vor wenigen Jahren errichtet wurden, oder noch im Bau sind. Getragen werden die Wats von der Bevölkerung, die in der Umgebung lebt. Einmal täglich gehen die Mönche durch das Dorf oder die Stadt und sammeln Almosen ein. Früher gab man ihnen direkt Nahrungsmittel – vor allem Reis – und daran erinnert noch heute eine große Schüssel, die die Mönche mit sich tragen und in die ein jeder ein wenig gekochten Reis spendet. Wichtiger ist heute freilich die Spende von Geldbeträgen, die jenseits des symbolischen Aktes immer auch erfolgt. Im Austausch segnen die Mönche die Anwohner.
Anders als in Europa ist das Mönchtum hier keine Entscheidung, die in der Regel für das ganze Leben getroffen wird. Vielmehr ist es sehr weit verbreitet, dass junge Männer für einige Jahre in einen Wat eintreten und als Mönch leben. Nicht zuletzt wird das häufig aufgrund der ökonomischen Vorteile gemacht. In den Wats erhalten die jungen Leute Unterkunft, Kleidung, Essen und – besonders wichtig – eine Ausbildung. Daher ist dies gerade für arme Familien eine Möglichkeit die Famlienkasse zu entlasten und dabei noch die Chancen in der Zukunft zu verbessern.
Am Wochenende war ich in einem der ältesten Wats Phnom Penhs, im Wat Ounalom, der zugleich der bedeutendste ist, da hier das buddhistische Oberhaupt Kambodschas residiert. Zumeist sind solche Wats nun, sofern man schon einige davon gesehen hat, eher unspektakulär. Es gibt einige Stupas, in denen die Asche bedeutender Verstorbener aufbewahrt wird; ein paar Verwaltungs- und Wohngebäude und vor allem natürlich den Gebetsraum, in dem eine Buddhastatue steht. Diesen nun schloß mir im nämlichen Tempel ein Mann auf, über dessen Funktion ich mir unklaren bin: religiöses Oberhaupt oder Hausmeister - wer weiß das schon. Ein sehr kleiner Gebetsraum, der nur durch eine ca. 1,4 m hohe Tuer zu erreichen war, barg eine Buddhastatue, einige Kerzen und eine elektrische runde Flimmerbeleuchtung, die ein wenig an die in orientalischen Restaurants beliebten Wasserfallbilder erinnert, in denen eine hintergründige Beleuchtung den Eindruck vermitteln soll, dass das Wasser auf dem Bild fliesse. Nicht gerade, wie ich einen ernsten religiösen Kult aufziehen würde. Allerdings beherbergt dieser kleine Gebetsraum eine Augenbraue Buddhas, was ja schon eine tolle Sache ist und verständlich macht, dass der Wat als besonderes Heiligtum gilt.
Alsdann wurde ich vom Mann unbekannter Funktion noch mit einer Art Weihwasser gesegnet und für Freundlichkeit und Segnung brachte ich schließlich Buddha noch einen Dollar dar. Ob den nun der fragliche Mann oder Buddha in seine Tasche steckt, wissen nur die beiden.

20. Juli 2008

Die Regenzeit beschert hier ein Wetter, das dem Hamburgs recht ähnlich ist: beständig ist nur die Unbeständigkeit und Vorhersagen sind unmöglich. Ob ein Regen nun eine Stunde oder einen Tag dauert, kann man nicht wissen. Eines allerdings gibt es: mehr Regen auf einmal. Heute kam ich daher zum ersten Mal in die Verlegenheit die Amphibienqualitäten meines Motorrades auzubrobieren. Nach erquicklichen Stunden im Pool- und Palmengarten eines Hotels packte mich die Sehnsucht nach meiner Wohnung, doch der Regen hielt mich in Schach. Nach einer Stunde des Wartens half kein Murren mehr und ich stürzte mich – glücklicherweise nicht im wörtlichen Sinne – mit dem Motorrad in die Fluten. Wasser von unten und von oben. Ich war stets in Angst, dass der Motor Wasser ansaugen könnte, da die Straßen teils mit ca. 30 cm Regenwasser überflutet waren; und das wird noch mehr wenn die SUVs einen ordentlichen Wellengang produzieren. 30 – 40 cm Wasser scheinen also für das Motorrad noch verkraftbar zu sein. Eines darf man bei solche einer Spritztour freilich nicht tun – darüber nachdenken, was einem da für eine Jauche wohlig warm gegen das Bein schlägt. Hier gibt es so manches stinkendes Abwasserrinsal, das man ohne Regen ganz gut umgehen kann. Mit dem Regen stinkt es zwar weniger, dafür ist es dann überall…

Nationalismus ist ja stets und überall eine verrückte Sache.

20. Juli 2008

Welche Dynamik derselbe nimmt lässt sich derzeit in Kambodscha gründlich studieren. An der Grenze zu Thailand nämlich befindet sich der Prea Vihear Tempel, der vergangene Woche von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt worden ist. Das Problem ist nun, wie könnte es anders sein, dass sowohl Thailand als auch Kambodscha den Tempel als ihr ureigenstes Kulturgut ansehen. In diesem Konflikt steht Kambodscha indessen besser da, da der Internationale Gerichtshof 1962 den Tempel dem Gebiet Kambodschas zugerkannt hat. Vor dem Hintergrund, dass die Grenzfrage damit in gewisser Hinsicht geklärt ist, hatte die thailändische Regierung den UNESCO-Antrag Kambodschas zunächst unterstützt; zur Unzufriedenheit großer Bevölkerungsteile, die ihren Tempel nicht ohne weiteres aufgeben wollen. Diesen Stimmen gibt man in Thailand nun nach, wenn man Militär im Grenzgebiet zusammenzieht. Aber auch in Kambodscha scheint eine gewisse Eskalation des Konflikts in Ansehung der bevorstehenden Wahlen der Regierung nicht unlieb zu kommen. Im Falle militärischer Konflikte ist es ja fast immer die bestehende Regierung, die – wenn sie nur hinreichend autoritär ist – in ihrer Position gesichert wird.
Die Folgen im ganzen Land sind nun, dass der Unmut, um nicht zu sagen Hass, auf die Thailänder entfacht wird. Gerüchte kursieren, wonach die Thailänder das Essen in den Restaurants vergiften, um den Kambodschanern zu schaden; die Botschaft ist klar: boykottiert das Business der Thailänder. Vor der thailändischen Botschaft stehen schon Wachleute mit Maschinenpistolen und die Angst vor Übergriffen auf Thailänder in Kambodscha ist berechtigt. Bereits vor einigen Jahren gab aus einem mir bislang noch verborgen gebliebenen Anlass landesweite Übergriffe gegen Thais.
Nunmehr stehen sich also an der Grenze einige hunderte Soldaten gegenüber, die die Gewehre im Anschlag halten und der Dinge harren, die da kommen mögen. Gerüchteweise habe ich gehört, dass die kambodschanische Armee ihren einzigen Panzer auch gleich mitgebracht hat, die Thais dafür ihre acht Panzer.

Insgesamt will es mir scheinen, als säßen Klischees und Vorurteile viel fester, als man das aus dem Europa dieser Tage gewöhnt ist. Der Nationalismus ist damit im Vergleich zu dem der dieser Tage allgegenwärtigen Jubeldeutschen weithin altmodischer. Dabei sind die Hauptfeinde freilich die Nachbarn, und an erster Stelle stehen gar nicht die Thais, sonder die Vietnamesen. Einst fragte ich einen kambodschanischen Arbeitskollegen, wie er denn das Verhältnis Kambodschas zu Vietnam einschätze und seine Antwort bestand in einer frappierenden Anekdote. Und die geht so: die Vietamesen nehmen sich einige Kambodschaner und graben sie in den Boden ein, so dass nur noch der Kopf aus dem Boden herausschaut. Und, was machen sie dann? Ja richtig, sie entfachen auf und mit den Köpfen der Kambodschaner ein Feuer um sich darauf ihr Teewasser zu bereiten. Und nochmal, das war nicht die Antwort auf die Frage, welche Kriegsgräuel von den Vietnamesen möglicherweise einmal verübt worden sind, sondern die nach den heutigen Beziehungen. Als ich die Geschichte daraufhin hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit hinterfragte, schien auch recht deutlich, dass die Faktenlage noch einigen Spielraum für weitere Nachforschungen lässt. Die Referenz für die Glaubwürdigkeit war schlicht, dass jeder diese Geschichte kenne und sie für wahr halte, allen voran der geschätzte Vater. Es sei nur am Rande erwähnt, dass es sich bei meinem Gesprächspartner nicht um einen engstirnigen Dorfbewohner handelte, der noch nichts von der Welt mitbekommen hat. Nein, es war ein junger, aufgeschlossener und gescheiter Student, der das sagte.
Die Liste der Feinschaften und Vorurteil gegen Vietnamesen ließe sich hier noch erheblich ausbauen, nicht zuletzt sind ja auch alle Prostituierten aus Vietnam, da eine ordentliche Khmer-Dame sich auf so etwas niemals einlassen würde.
Verrückt ist es allemal, wie durch den Nationalismus der Urheber für das eigene Elend außerhalb des eigenen Landes gesucht wird. Stets sind es die Thais, die den Kambodschanern vorschreiben wollen, wo es lang geht; sind es die vietnamesischen Prostituierten, die für den moralischen Verfall verantwortlich sind; sind es die chinesischen und koreanischen Geschäftsleute, die für den Ausverkauf des Landes verantwortlich sind. Zumindest im letzten Fall stimmt diese Einschätzung zwar zum Teil. Es ist ein großes Problem, dass die Ländereien den lokalen Bauern für lächerliche Beträge (mit oder ohne Zwang) abgekauft werden und dann alsbald für den 10-fachen Preis wieder verkauft werden. Unsinn ist es aber, dafür allein ausländische Spekulanten verantwortlich zu machen, und dann brav die CPP wählen zu gehen, die doch gerade solche Geschäfte ermöglicht, wenn nur genug inoffizielles Geld fließt.

Kambodscha vor der Wahl

15. Juli 2008

In Kambodscha wird am 27. Juli diesen Jahres zum 3. Mal seit der UN-Mission in den 1990er Jahren das Parlament gewählt. Obwohl einige Parteien hier scheinbar friedlich nebeneinander Wahlkampf betreiben und unermüdlich mit Lautsprecherautos wie -mopeds durch die Stadt ziehen, muss man die Stimmung aber wohl doch als zumindest hintergründig angespannt beschreiben. Viele Menschen haben Angst, dass es zu einem erneuten Bürgerkrieg kommen könnte. Zum Wahltag, so empfahlen mir meine Vermieter, solle ich lieber zu Hause bleiben, da die Gefahr von Ausschreitungen bestünde. Einige wenige wollen gar die Phnom Penh verlassen. Ich persönlich halte all diese Vorsichtsmaßnahmen eher – auch aus anderen Erfahrungen mit der den Menschen hier eigenen Übervorsichtigkeit – für übertrieben und eher vergleichbar mit den Ladenbesitzern der ostdeutschen Kleinstädte, die bei einer Antifademo die Fensterscheiben aus Angst vor den Chaoten vernageln. Aber der politische Hintergrund ist hier freilich ein anderer. Immerhin hat es v.a. in den 90er Jahren vielfach Ausschreitungen gegeben. Nicht zuletzt verantwortlich für die alten und neuen politischen Unruhen ist der Premierminister Hun Sen. Dessen Cambodian Peoples Party (CPP) war bei den 1993 von den UN abgehaltenen Wahlen nur zweitstärkste Kraft geworden und trotzdem hatte er sich durch die Konstruktion einer Doppelspitze den Posten des »zweiten Premierministers« gesichert. 1997 schließlich putschte er den ersten Premier Prinz Ranariddh von seinem Posten und reagiert seitdem als alleiniger Premier. In diesen Jahren kam es auch vielfach zu politischen Morden, Ausschreitungen und dergleichen.

An all das muss nun freilich denken, wenn Hun Sen die Wähler auf die Wahl der CPP einschwört. “If I lose (and there is instability) you might have to flee the country,” sagte er vor internationalen Wirtschaftsvertretern. Uns wer nun derzeit allein die Macht im Land hat und politische Instabilität erzeugen könnte, ist ganz offensichtlich – das ist allein Hun Sen. Insofern verstehen die Menschen hier solche Äußerungen schon als offensichtliche Drohung und ziehen vielfach den von Hun Sen gewünschten Schluß daraus. Ich sprach mit einer Frau, die eigentlich eine andere Partei bevorzugte, die aber meinte, dass sie aus Angst vor politischer Instabilität vielleicht auch die CPC wählen würde. Das scheint wohl letztlich auch die bestechende Qualität dieser Regierung zu sein. Sie hält alles in einer Hand erzeugt dadurch politische Stabilität. Klar, denn die wird ja gebraucht, wenn man Entwicklungshilfe und Investitionen internationaler Konzerne abgreifen möchte. Angesichts dieser Situation bezweifelt hier niemand ernsthaft, dass die CPP die Wahl unangefochten gewinnen wird.

Besorgniserregend ist dazu, dass am vergangenen Freitag ein Journalist der oppositionellen Zeitung Moneaseka Khmer auf offener Straße mitsamt seinem Sohn erschossen worden ist. Zuletzt hatte diese Zeitung einen Artikel veröffentlicht, in dem dem heutigen Außenminister Verbindungen zum Khmer Rouge Regime vorgeworfen wurden. Ohne das hier im einzelnen überprüfen zu wollen oder zu können, so ist das Faktum, dass viele der heute Mächtigen früher bei den Khmer Rouge waren, allseits bekannt. Hun Sen selbst war bis 1977, als er nach Vietnam floh, Regimentskommandeur der Streitkräfte der Roten Khmer. Das Außenministerium baute dann zunächst Druck auf die Zeitung auf und schließlich wurde gar der Herausgeber verhaftet. Unterdessen ist der zwar wieder aus der Haft entlassen worden; dass nun ein Redakteur derselben Zeitung in solch engem zeitlichen Zusammenhang einem Attentat zum Opfer fällt, sehen hier aber viele nicht als Zufall an. Kambodschaner, die in regierungskritischen Organisationen arbeiten, dürfte das verängstigen. Viele Kambodschaner sind ohnehin nicht mutig, was es angeht, sich in Widerspruch zur Regierungslinie zu setzen. Diese Haltung wird nunmehr bekräftigt und es zeigt sich auch, dass sie wahrscheinlich noch immer eine durchaus verständliche Reaktion auf die politische Realität im Land ist.

»Raus aus der City, rauf auf den Bock, raus der Gesellschaft rein in den Rock!«

13. Juli 2008

Ja, diesen Leitsatz aus dem geschätzten Hamburger Film Rollo Aller hätte ich doch gerne zur Maxime aller meiner Handlungen gemacht. Ein altes knatterndes Moped, wehende Haare im Wind und eine Bierdose in der Hand. Mopedkauf stand daher dieses Wochenende auf dem Programm. Ich dachte eine schöne alte Rundlicht-Honda Super Cub würde mir möglicherweise ganz gut zu Gesichte stehen. Mit dieser Idee hatte ich bei meinem kambodschanischen Kollegen, den ich in meine Mopedsuche einzubinden suchte, eher Unverständnis ausgelöst. Diese Modelle seien Motorräder für Frauen und was ich brauche, sei ein richtiges »Man-Motorbike«. Aha, ein Man-Motorbike also. Letztlich sah er dann aber ein, dass Man-Motorikes nur was für richtige Mans sind und da gibt er sich ganz offenbar mehr Mühe drum als ich und so gibt es nur einen von uns der ein Man-Motorbike braucht. Für mich ging es dann also doch los auf die Suche nach einem altertümliches Knatterungetüm.
Nun stellte sich freilich heraus, dass alles Schöne in Kambodscha für mich unerreichbar ist. 1000-1300 US $ kostet ein Motorrad, wie ich es mir wünsche, in akzeptablen Zustand – und das nicht weil ich als Europäer ungeheuer reich aussehe, sondern weil das der richtige Preis ist. Das scheint mir für ein 8-12 Jahre altes Fahrzeug allerdings ein wenig fragwürdig zu sein. Daher wurde die Anschaffung des Motorbikes kurzerhand abgesagt.
Der Protagonist im eingangs erwähnten Film stand übrigens genau vor demselben Problem. Auch er hat »keine Kohle für den Ofen« (allerdings deshalb, weil er auf der Arbeit einen Kollegen vertrimmt und in der Folge seinen Job verloren hat.) Im Fortgang der Ereignisse »zieht er sich die Mühle einfach selbst«, eine Konsequenz vor der ich nach reiflicher Überlegung Abstand genommen habe.)
Folglich führte mich mein Weg direkt in einen Mopedverleiht und von dort in den kambodschanischen Traum – Honda Dream heißt das angesagte Moped, dass hier viele ersehnen. Ich habe es mir geliehen und kann mich doch auf dem neumodischen Plastemoped einfach nicht richtig wohl fühlen. Das einzig Gute ist, dass man sich auf dem Moped ebenso wie im sonstigen Leben - wenn Spiegel nicht im Spiel sind - selbst nicht sieht. Man muss also nur vergessen, wie albern man auf dem ollen Plastemotorbike aussieht und schon kann man sich auf das Hupen und Motoraufheulenlassen konzentrieren.

Rollo Aller auf Youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=dRPDQN8uTdc

Street Creds II

08. Juli 2008

Nachdem ich vor einigen Wochen bereits begeistert auf die Kreuzung des Mao Tse Tung Boulevards mit der Rue de l‘Union Europeênn gestoßen bin, sind mir nun noch einige andere Perlen des Phnom Penher Straßennetzes aufgefallen.
Wenn auch recht altmodisch, so aber doch noch vergleichsweise unverfänglich kommt der Tchecoslovaquie Boulevard daher. Die Tschechoslowakei gibt es ja nun auch schon 15 Jahre nicht mehr, aber gut. Immerhin ungefähr genauso lang lebt ja auch Kim Il Sung schon nicht mehr und auch dessen Gedenken hat man sich in Phnom Penh verschrieben; der allseits beliebte Menschenfreund und nordkoreanische Diktator hat hier seinen eigenen Boulevard, der dann in den Mao Tse Tung Boulevard übergeht.
Darüberhinaus findet sich mit dem George Dimitrov Boulevard auch eine Reminiszens an den großen bulgarischen Politiker und Theoretiker (»Faschismus ist die offen terroristische Diktatur der reaktionärsten und chauvinistischsten Elemente des Finanzkapitals«) – Georgi Dimitrow.