So manches Mal fühlt man sich in Phnom Penh, wie auch in anderen ehemaligen Kolonialgebieten eines: nämlich sehr kolonialistisch. Das liegt vor allem daran, dass man sich immer in Plätzen herumtreibt, die nur von Ausländern, also scheinbar den neuen Kolonialherren und -damen bevölkert werden. Man findet die alten Kolonialbauten schöner als die alten Häuser im chinesischen Stil und gleich erst recht als die in neuer chinesischer Manier. Und doch muss man sagen, dass an all dieser Neo-Kolonialismus Überlegung eigentlich nichts dran ist. Die eigentlich reichen Leute in – Kambodscha jedenfalls sind nicht die tausenden NGO- und UN-Angestellten, die ihre 2000 $, oder wenn sie sehr viel verdienen 10.000 $ pro Monat nach Hause tragen. Kaum einer von denen hat ein Auto, wie einen der großen neuen Wagen, von denen man hier an jeder Ecke fünf sieht. Kaum einer geht in einen mittelmäßigen Disco-Club und gibt dort 500 $ pro Besuch um in den Genuss der Vorteile der Gold-Membership-Card zu gelangen.
Nun muss man natürlich eingestehen, dass solch borniertes Protzertum auch bei vielen sog. westlichen Reichen einfach nicht so hoch im Kurse steht wie es definitiv in Asien der Fall ist. Dennoch ist es offensichtlich, dass man nach den richtig Reichen in Kambodscha nicht allein nach den Ausländern schauen muss. Richtig reich sind natürlich die ausländischen Investoren, aber eben ganz sicher auch diejenigen Locals, die in Positionen sind, um sich von den Investitionen eine  Scheibe abzuschneiden. Dass man die in den Läden, in die man geht, nicht trifft, liegt daran, dass die in solch kleinbürgerliche Etablissements nicht gehen würden und dann natürlich auch an ihrem unglaublich schlechten Geschmack: neonbeleuchtete Karaokebars mit einem Hostessenspalier am Eingang und angeschlossenen Hinterzimmern.

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