Koh Kong

An der Grenze Kambodschas zu Thailand befindet sich die möglicherweise schönste Provinz Kambodschas – Koh Kong. Dieser Teil des Landes war lange Zeit infrastrukturell an Thailand angeschlossen, da man ihn einzig von Thailand mit einem passablen Aufwand erreichen konnte. In Thailand schafft man es ganz generell die Infrastruktur auf einem hohen Standard zu halten und so sind auch die meisten entlegenen Teile des Landes auf guten Straßen erreichbar. Anders in Kambodscha. Von Phnom Penh war Koh Kong bis vor kurzem nur über eine Staubpiste erreichbar, auf der die Fahrt in der Regenzeit zu einer Schlammschlacht wurde. Auch mussten vier breite Flüsse mit Fähren überquert werden und so dauerte eine Fahrt von Phnom Penh nach Koh Kong ca. 8-10 Stunden. Mein Besuch in Koh Kong fiel nun glücklicherweise in eine Zeit, da die Verkehrsverbindung gerade gleichsam auf dem Zenit steht. Die Brücken sind errichtet und noch nicht wieder eingestürzt; die Straße ist nur an wenigen Stellen von Erdrutschen bedeckt und auch gibt es 40 cm tiefe Schlaglöcher nur an einigen Stellen. Man mag zwar befürchten, dass das bald ganz anders aussieht, aber egal – vorerst gab es eine gute Busverbindung.
Einer der ersten amtlichen Schritte in Koh Kong ist für viele und so auch für mich die Verlängerung des Visums. Hierfür fährt man mit dem Moped zur Grenze, bekommt seine Stempel, läuft nach Thailand und muss dann einen 10-minütigen Aufenthalt im Grenzort absolvieren ehe einen die thailändischen Grenzbeamten wieder ausreisen lassen. Einmal in Thailand hat man wirklich das Gefühl einen Schritt in die Zivilisation zu vollziehen. Es gibt richtige Geschäfte, die in richtigen Häusern Waren aus richtigen Regalen anbieten. Die Straßen sind ordentlich, es gibt sogar Mülltonnen, die Grenzbeamten betreiben keine offensichtliche Korruption und selbst die Soldaten mit ihren Maschinengewehren nicken einem freundlich zu. Alles scheint das Gegenteil zu Kambodscha zu sein, zumindest im unmittelbaren Gegensatz der beiden Grenzorte.
Auf der kambodschanischen Seite hat man einen Unsympathen im Grenzerhäuschen sitzen, der sich alle Mühe gibt, alle phänotypischen Stereotype für einen korrupten Beamten zu erfüllen. Er trägt ein weit aufgeknöpftes Hemd, Golduhr und Goldring und verlangt für das Visum, das normalerweise 20 US$ kostet kurzerhand 35 US$ von jedem. Da hilft kein Verhandeln, kein Drohen damit, dass man einflussreiche Freunde hat – es gibt hier gewissermaßen einen offiziellen inoffiziellen Tarif für das Visum. D.h., vielleicht hülfe es am Ende gar doch, aber die ersparten 15 $ kosteten einen dann ca. einen halben Tag Verhandlung. So bezahlt doch lieber jeder die Zeche der Grenzer. Wahrlich verübeln kann man den Beamten ja nun nicht, dass sie ihren Unterhalt von ca. 25 US$ monatlich aufbessern. Allerdings scheint mir der Tarif von 15 US$ pro Reisendem doch ein wenig hoch angesetzt und er dürfte letztlich vor allem den in der Hierarchie weiter oben stehenden zu Gute kommen. Polizist wird man nämlich in Kambodscha in erster Linie dadurch, dass man sich eine Uniform kauft. Diese kostet ab 1000 US$ und es ist klar, dass die Uniform eine Investition ist, die sich gefälligst zu amortisieren hat. Wer aufsteigen will, zahlt für den neuen Dienstgrad und bekommt dafür ein größeres Stück vom Kuchen.
Kambodscha hat nun in dieser Region aber durchaus weithin mehr zu bieten als unsympathische Grenzbeamte. Hier beginnt zum Beispiel das Kardamommgebirge, ein gänzlich entlegenes und unerschlossenes Gebiet in dem sich Südostasiens größter zusammenhängender Urwald befindet. Hier gibt es Elefanten, Tiger, Krokodile – um nur die spektakulärsten Tiere zu nennen und somit zugleich auch die, die man niemals zu Gesicht bekommen wird.
Was liegt also in dieser Gegend näher als direkt im Dschungel zu übernachten? In einer ganz fantastischen Anlage von wenigen Bungalows kann man in der Nähe Koh Kongs in kleinen Bungalows direkt im Urwald wohnen. Die Anlage ist nur mit dem Boot zu erreichen und verfügt nur über eine Handvoll Räume. Dieses Wochenende waren meine Begleitung und ich die einzigen Gäste und konnten bei fantastischem Menu und ebensolchem Ausblick auf einen sich durch den Urwald windenden Fluss das Leben im unwirtlichen Dschungel uns doch recht annehmlich sein lassen.

Unterwegs im Disco Bus.

Guesthouse im Dschung

Dschungelwanderung

In der Bildmitte: einer der im Dschungel omnipräsenten Blutegel, die das Bein hochlaufen und sich an Beinen und Händen festsauen.

Ein junger Leguan, der später mal ca. einen Meter groß wird, sonnt sich am Bungalow.

Eine Spinne hat ein ca. 1qm großes Netz an unserem Bungalow aufgehänt.

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