Phnom Penh - ein Dorf.

Leer, ruhig und entspannt – das wäre nicht gerade die erste Charakterisierung, die mir für Phnom einfiele. Vielmehr würde ich sagen, dass Phnom Penh relativ viel von dem hat, was allen mir bekannten asiatischen Großstädten eignet. Sie sind laut, voll, schmutzig und wenn man sich eine Zeit lang dort aufhält, hat man irgendwann das Gefühl, dass sich eine fiese Schicht aus Feinstaub über die Innenseiten der Organe zieht; so fies, dass ich den generellen Vorsatz gefasst habe, nur noch mit Staubmaske Motorrad oder Fahrrad zu fahren. Mit etwas freundlicheren Worten könnte man aber auch sagen, dass Phnom Penh lebhaft, turbulent und dabei auch etwas stickig ist.
Dass nun für manche Phnom Penh nun eben doch nicht genug der asiatischen Großstadt ist, durfte ich unlängst in meinem Stamminder erfahren, der gleich um die Ecke liegt und über den noch Streit besteht, ob er das beste oder nur das Zweibeste indische Essen der außerindischen, bislang erfahrenen Welt herstellt. In diesem Inder nun tummeln sich stets einige indische Geschäftsleute, die theoretisch gar nicht zu Geschäften irgendeiner Art kommen können, da sie immer im nämlichen Restaurant sitzen, wenn ich es selbst aufsuche. Einer der indischen Geschäftsleute, der lustigerweise mit einem indischen Basarbetreiber aus Hamburg St. Georg befreundet ist, vermutete in mir einen Gleichgesinnten zu finden, als er ein Klagelied über Phnom Penh anstimmte. Ich käme doch auch aus einer Großstadt und müsse doch Phnom Penh auch als provinziell und verschlafen empfinden. Nun, im Bereich des geistigen Lebens jeder Art würde ich Phnom Penh ohne Zögern eine profunde Provinzialität attestieren. Was hingegen Verschmutzung, Verkehrslärm und Überfüllung angeht, da muss sich Phnom Penh leineswegs verstecken.
Mein indischer Gesprächspartner schien also durchaus falsche Vorstellungen von den Hamburger Verhältnissen zu haben, wiewohl er dort schon einmal zu Gast war. Er selbst kommt nämlich aus Neu-Dehli, einem Ballungsraum also, indem seinen Angaben zu Folge ca. 100 Millionen Menschen leben. Da fällt es mir nicht schwer zu glauben, dass alles noch ein wenig enger zugeht.
Angesteckt von der neuen Sichtweise warf ich dann noch einen Blick auf einen der größeren Boulevards, an dem das Restaurant liegt. Und in der Tat. Es gibt Zeiten am Tag, da ist hier nichts los. Von zwölf bis zwei ist heilige Mittagspause: da liegen die Mototaxifahrer im Schatten auf ihrem Moped; da spannen sich die Polizisten eine Hängematte, da liegen die Marktverkäuferinnen auf ihren Habseligkeiten. Und dann sind auch die Straßen leer – zumindest einige. Das wäre mir nun aber niemals als Mangel der Stadt aufgefallen, das einzige, was ich während dieser Zeit zu beklagen habe, ist, dass es in der Sonne ca. 50 °C heiß ist und dass man sich wie in einem Mikrowellenapparat fühlt. Mich dünkt, dass Indien nicht der richtige Platz für einen erholsamen Aufenthalt ist.

Boulevard zur Mittagszeit. Nur einige Arbeiterinnen müssen Unkraut aus dem Rasen ziehen.

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