Können Schweine schwimmen?

Der Umstand, dass das bewaffnete Bandenwesen in Kambodscha verschwunden ist und damit Raubüberfälle auf Landstraßen faktisch nicht mehr vorkommen, ist ganz offenbar nur aus einem Grund vom kambodschanischen Staat forciert worden. Nunmehr nämlich wird die Wegelagerei von der öffentlichen Hand als Monopol organisiert und je nach Stellung in der Hierarchie bekommen die Beteiligten ein Moped, einen Lexus oder einen Hummer. So lungern also behäbige Uniformträger in kleinen Häuschen am Straßenrand und kassieren je nach Gemütslage die vorbeifahrenden Menschen ab; freilich sind diese kleinen Würstchen die Mopedfahrer. Dabei lagern die Polizisten oftmals in kleinen Hütten, die das Banner einer hier verbreiteten japanischen Biersorte tragen – Asahi. Gewiß trinken die Polizisten in ihren Verschlägen auch Bier, immerhin sieht man sie dann und wann sturz betrunken mit ihrem Moped Schlangenlinien fahren. Warum nun aber gerade eine Brauerei sich befleißigt, den Polizisten eine Unterkunft zukommen zu lassen, ist mir ein Rätsel.
Zwei Mal nun wollten mich die Tage- und Gelddiebe in Uniform schon behelligen; einmal mit Erfolg. Ich beging einen der hier üblichen Verkehrsregelverstöße, als ich eine sechsspurige Straße auf der falschen Seite entlang fuhr. Nach ausführlicher Skizze über die Phänomenologie meines Verstoßes wollte der Herr in Uniform 30 $ haben. Das ist wahrscheinlich sein halbes reguläres Monatsgehalt und das 24-fache des im Gesetz vorgesehenen Bußgeldes. Es dauerte etwa eine halbe Stunde bis ich den Preis auf 15 $ herunter gehandelt hatte. Dann musste ich dringend los, da andernorts ein Taxi wartete, das eigens für diesen Tag bestellt worden und einige Freunde und mich nach Siem Reap zu tragen bestimmt war. Nun gut. Einmal mache ich solche Unverschämtheiten ja noch halbwegs entspannt mit, immerhin habe ich ja auch kaum eine Wahl.
Nun wollte mich aber vor zwei Tagen abermals ein Polizist anhalten. Diesmal hatte ich mir nichts zu Schulden kommen lassen, ich zweifele aber nicht, dass ich zu schnell oder zu langsam, mit oder ohne Licht, zu wenig oder zu sehr in der Mitte der Straße fuhr. Grimmigen Blicks und festen Schritts zielte also der Polizist mit seinem Verkehrswinkstab wie mit einer Pistole auf mich und gab mir zu erkennen, dass ich rechts heranfahren solle. Hah! Denkste! Der Stab traf mich zwar noch am Arm, aber weg war ich. Zunächst war ich ein wenig verängstigt um seine Reaktion. Immerhin sollte man ein solches Spiel mit deutschen Polzisten eher nicht treiben; die würden vermutlich ernst machen. Dem Tagedieb war’s freilich egal. Dem geht’s ja nicht ums Prinzip oder um die Grundsätze des Berufsbeamtentums, sondern ums Geld. Das aber ist schneller verdient, wenn er sich einfach wieder in seine Lauerstellung zurück begibt, als wenn er eine wilde Verfolgungsjagd aufnimmt. Der nächste Ausländer kommt bestimmt.
In der Tat bin ich nun aber ein wenig verschüchtert. Wenn man schnell fährt, ist alles OK, dann kann man womöglich einfach den Motor aufheulen lassen und die Polizisten springen schon zur Seite. Fährt man aber langsam oder muss gar an einer Ampel zum Stehen kommen, ist man ihnen schutzlos ausgeliefert…

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