Bokor Hill II

Meine – und anderer Menschen – kleine Rundreise durch den Süden Kambodschas führte uns zunächst nach Kep, von dort über einen Tagesausflug zu einer kleinen Insel vor der Küste – Rabbit Island – schließlich nach Kampot. Kampot – das kleine Städtchen in dem ich bereits zuvor einmal zu Gast gewesen bin und welches als die für mich größte Attraktion den 1080m hohen Bokor Hill hat, auf dem die sogenannte French Town steht – ein altes verlassenes Kasino, eine Kirche und einige alte Feriengebäude, welche von den Franzosen seit den 20er Jahren dort errichtet wurden.
Nachdem ich das letzte Mal aus Zeitgründen den Berg nur im Rahmen einer organisierten Minibusfahrt zu besuchen vermochte, sollte er beim neuerlichen Besuch in Kampot nun höchst persönlich erklommen werden. Dafür wurde der Guide vom letzten Mal erwählt und für eine Wanderung auf den Berg angeheuert. So machten wir – vier Freunde an der Zahl – uns eines morgens auf und wurden zunächst mit zwei alten Mopeds, von denen mindestens eines keine Bremse hatte, an den Fuße des Berges verschafft. Dort trafen wir uns mit einem schweigsamen Ranger des Nationalparks, der uns mit seinem rostigen Bürgerkriegsmaschinengewehr die gesamte Wanderung über ein sicheres Gefühl gab.
Schnell offenbarte sich das zentrale Problem des Tages. Die Aussage unseres Guides, wir müssten uns um nichts kümmern, für Essen und Getränke sei gesorgt, entpuppte sich schnell als nur relativ richtig. Relativ zu kambodschanischer Transpiration. Es mag ja sein, dass 1,5 Liter Wasser pro Person für kambodschanische Verhältnisse eine adäquate Menge an Wasser darstellt, wenn man den ganzen Tag bei 35°C durch den feuchten Urwald läuft. Alle nicht-kambodschanischen Beteleigten hatten indessen das Gefühl, schon nach einer halben Stunde die gesamte Wasserration austrinken zu müssen. Ärgerlich, dass wir uns hatten beschwichtigen und nicht noch eigenes Wasser mitgebracht hatten.
Nach c.a. zweistündiger Wanderung durch den Urwald stand dann fest, dass wird uns einer zur Verfügung stehenden Abkürzung zum Gipfel bedienen würden. Da die Strasse zum Gipfel gerade neu hergerichtet wird, verkehren nämlich oftmals LKWs auf der einzigen Zufahrtsstrasse, die Arbeiter, Baumaterial oder beides transportieren. Als wir diese dann nach eben jener zweistündigen Wanderung erreichten, nahmen wir den ersten LKW und kamen so in die Gunst einer wirklich hilfreichen Abkürzung. Gewandert wurde dann trotzdem noch, aber eben nur 2,5 und nicht 4,5 weitere Stunden.


Was man vom Bokor Hill zu sehen bekam, war wirklich erschreckend, viel erschreckender, als es noch vor drei Monaten war. Die kommerzielle Nutzung des Bokor Hills ist an einen Investor verkauft worden und dieser errichtet nun auf dem Gipfel ein Hotel, wohlgemerkt im Nationalpark. Die Ruinen der Frenchtown bleiben einstweilen erhalten, das Flair des Berges ist aber schon jetzt dahin. Die einstmals schmale Strasse wird enorm verbreitert und dafür eine Schneise durch den Urwald geschlagen. Auf verschiedenen Ebenen des Berges werden riesige Bereiche planiert, um dort irgendwelche unterstützenden Bauwerke zu errichten. So wird etwa auf halber Höhe ein Zementwerk errichtet, für dessen Produktion dann weitere Bereiche des Berges abgetragen werden. Auf dem Gipfel selbst wird eine tiefe Grube für das neue Hotel ausgehoben. Den Gipfel der Geschmacklosigkeit aber, da bin ich sicher, wird sicher das neue Hotel selbst darstellen.
Wir nun durften direkt neben der Großbaustelle in der Rangerstation übernachten, die bald auch abgerissen wird. Abrißreif, ja so war diese Station in der Tat. Alles war muffig, schimmelig und feucht und sogar das Holzgestell der Betten war mit einem weißen Pelz überzogen. Nichts für Asthmatiker und eigentlich auch nichts für irgendeinen anderen Menschen. Aber da eine Übernachtung im alten Kasino noch unwirtlicher gewesen wäre, mussten wir da durch.
Kasino und Kirche waren dafür immer noch von gleicher Schönheit wie zuvor. Ein bizarres Wolkenspiel lässt sie im einen Moment komplett verschwinden und im nächsten in vollem Sonnenlicht erstrahlen.
Am nächsten Tag ging es dann im strömenden – abermals teilweise auf der Ladefläche verschiedener Kraftwagen – zurück nach Kampot, wo wir dann pünktlich zur Happy Hour in zurück in unserem Guesthouse waren.


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