Eine kambodschanische Weiseheit sagt,

daß nur derjenige in Kambodscha richtig Motorrad gefahren ist, der auch mit einer Kuh kollidiert ist. Nun kann ich zum Glück nicht berichten mit einer Kuh zusammengestoßen zu sein. Bei meiner erst unlängst zu Ende gegangenen Gin-Tonic Tournee durch Kambodschas Süden geriet mir allerdings ein anderer Vierfüßler von stattlichem Gewicht unter die Räder. Und das nicht infolge Gin-Tonic Konsums.
Gerade erst angekommen in dem charmanten Küstenort Kep wollten wir das Umland mit dem Motorrad erkunden. Da jedes Reisfeld jedem anderen gleicht, da Khmer Kenntnisse und Orientierungsbefähigung zu wünschen übrig lassen, entschlossen wir uns, die Motorradtour von einem lokalen Exilanten anleiten zu lassen, der in Kep eine Kneipe betreibt. Dieser führte uns zu verlassenen Bahngleisen in einer Art Heidelandschaft, aus der die fünf Freunde offensichtlich gerade erst abgereist waren. Wir trafen einen deutschen Aussiedler, der zum Einsiedler umgeschult hatte, nunmehr Früchte anbaut und diese für einen Hungerlohn feilbietet. (z.B. ca 7 US $ Cent für ein Kilo Papaya im Weiterverkauf an Markthändler). Von diesem Einkommen fristet er sein Dasein allein in einer kleinen Holzhütte in der Einöde Kambodschas.
Weiter führte uns der Weg über eine Schlammpiste, die teils nur zu durchqueren war, wenn man mit Vollgas die etwa knietiefen Wasserlöcher durchbräschte. Mit Vollgas durch knietiefes Wasser und Durchquerung des Wassers an einer bestimmten Stelle sind nun aber Vorgaben, die nicht konfliktlos zueinander stehen. Schon bald kam es daher dazu, dass ich mit meinem Motorrad zu schnell und an falscher Stelle ans Trockene kam und – mich fühlend wie Colt Sievers – einen Holzzaun durchbrach. Nicht so schlimm. Der Zaun war ein Leichtbau, die verbogenen Teile am Moped ließen sich wieder gerade ausrichten und gegen die Zerstörung von Zäunen besteht ohnehin kein prinzipieller Einwand. Diese werden nämlich seit einigen Jahren vermehrt errichtet und zeigen an, in welchem Maße hier das Land veräußert wird. Vielfach kaufen reiche Menschen aus den Städten die Flächen auf und spekulieren mit Erfolg auf die immer weiter steigenden Grundstückspreise. Da hilft zwar eine Wüterei gegen die Zäune nichts, schaden aber kann sie auch nicht.
Nach einigen weiteren Runden durch das kambodschanische Outback setzte ich dann meinen Kollissionskurs fort. Diesmal war ein Schwein an der Reihe. Lagerte es zunächst am Straßenrad, so zog es doch plötzlich vor, die Straße unmittelbar vor meinem Motorrad zu überqueren. Da half nichts mehr. Das Schwein wurde vom Vorderrad erfasst, ich fiel und das Schwein quickte. Kurz darauf quickte es erneut, als es vom mir nachfolgenen Motorradfahrer nochmals erwischt wurde. Alles in allem ist nichts Schlimmes passiert. Ein zerrissenes Hemd, einige Schürfverletzungen und ein später auf vier Dollar betitelter Sachschaden am ohnehin schon zuvor völlig zerschundenen Moped waren der Preis der Schweinjagd. Gelernt habe ich aber, dass man zum Motorradfahren gut daran tut, sich nicht allein mit einem Helm sicher zu wähnen. Auch Schürfverletzungen tun weh und Zusammenstößen mit Tieren sind eine der häufigsten Unfallursachen.

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