Archiv für den Monat Oktober 2008

Cambodian Transport

Dienstag, 14. Oktober 2008



Geist und Kambodscha

Dienstag, 14. Oktober 2008

Dass in Kambodscha der Glaube an diverse Geister eine ganz große Nummer ist, dürfte nicht überraschen, wer in dem Land eine kurze Zeit verbracht hat. Überall stehen die kleinen, auf einem Pfahl aufgebockten Häuschen, die den Geistern aus Boden und Luft als Wohnstatt dargeboten werden. Die Geister lebten einstmals auf den Bäumen oder im Erdreich. Klar werden die böse, wenn man die Bäume fällt oder ein Haus auf dem Boden errichtet. Gibt ihnen aber ein kleines Geisterhäuschen, in dem sie es sich gemütlich machen können, dann sieht die Welt doch gleich wieder ganz anders aus. Auch für das leibliche Wohl der Geister wird von den Usurpatoren des Landes freilich gesorgt. Bananenstauden, Cola oder Fanta, Curry oder Reis, manchmal gar Schnapps und Zigaretten scheinen nach dem Geschmack der Geister zu sein.
Erst vor kurzem ging einer der bedeutendsten Feiertage in Kambodscha zu Ende: Chum Benh. Dieser Feiertag ist eigentlich kein Feiertag, sondern ein halber Feiermonat, da das Fest über einen halben Monat hin währt, und am Ende einen Kulminationspunkt hat, an dem alle zu ihren Familien fahren und der Toten gedenken. Freilich geht man abends besser nicht mehr raus, da die Geister der Toten draußen herumschwirren und auch sonst sorgt das Geisterwesen während Chum Benh bei manchen für eine vorübergehende seelische Zerrüttung.
Inwieweit nun der Geist aber auch in die kambodschanischen Gesetze Einzug gehalten hat, erfuhr ich erst unlängst als ich vor lauter Verdruss die kambodschanische Strafprozessordnung bis zum Ende durchblätterte. Dort findet sich nämlich am Ende ein Schwur, der von Zeugen aufgesagt werden muss, die vereidigt werden sollen. Die Geister erhalten eine Art Funktionszuwachs und sollen nun auch die Lügner vor dem Herr – äh dem Gericht – zur Strecke bringen. Die glorreiche Eidesformel lautet in Englischer Übersetzung:
»I will answer only the truth, in accordance with what I have personally seen, heard, know, and remember.
If I answer falsely on any issue, may all the guardian angels, forest guardians and powerful sacred spirits destroy me, may my material possessions be destroyed, and may I die a miserable and violent death. But, if I answer truthfully, may the sacred spirits assist me in having abundant material possessions and living in peace and happiness along with my family and relatives forever, in all my reincarnations.«

Dienstag, 14. Oktober 2008

So manches Mal fühlt man sich in Phnom Penh, wie auch in anderen ehemaligen Kolonialgebieten eines: nämlich sehr kolonialistisch. Das liegt vor allem daran, dass man sich immer in Plätzen herumtreibt, die nur von Ausländern, also scheinbar den neuen Kolonialherren und -damen bevölkert werden. Man findet die alten Kolonialbauten schöner als die alten Häuser im chinesischen Stil und gleich erst recht als die in neuer chinesischer Manier. Und doch muss man sagen, dass an all dieser Neo-Kolonialismus Überlegung eigentlich nichts dran ist. Die eigentlich reichen Leute in – Kambodscha jedenfalls sind nicht die tausenden NGO- und UN-Angestellten, die ihre 2000 $, oder wenn sie sehr viel verdienen 10.000 $ pro Monat nach Hause tragen. Kaum einer von denen hat ein Auto, wie einen der großen neuen Wagen, von denen man hier an jeder Ecke fünf sieht. Kaum einer geht in einen mittelmäßigen Disco-Club und gibt dort 500 $ pro Besuch um in den Genuss der Vorteile der Gold-Membership-Card zu gelangen.
Nun muss man natürlich eingestehen, dass solch borniertes Protzertum auch bei vielen sog. westlichen Reichen einfach nicht so hoch im Kurse steht wie es definitiv in Asien der Fall ist. Dennoch ist es offensichtlich, dass man nach den richtig Reichen in Kambodscha nicht allein nach den Ausländern schauen muss. Richtig reich sind natürlich die ausländischen Investoren, aber eben ganz sicher auch diejenigen Locals, die in Positionen sind, um sich von den Investitionen eine  Scheibe abzuschneiden. Dass man die in den Läden, in die man geht, nicht trifft, liegt daran, dass die in solch kleinbürgerliche Etablissements nicht gehen würden und dann natürlich auch an ihrem unglaublich schlechten Geschmack: neonbeleuchtete Karaokebars mit einem Hostessenspalier am Eingang und angeschlossenen Hinterzimmern.

Der Tokai

Dienstag, 14. Oktober 2008

Tokais sind große Gekkos, also Echsen, die überall in Asien leben. Während der gemeine Gekko so ca. 10 cm groß wird, nur ab und an leise Schnattergeräusche von sich gibt und im Allgemeinen recht scheu ist, werde die Tokais durchaus stattliche 30 cm lang. Vor allem abends geben sie einen Ruf von sich, der so manchen schon an eine Bahnhofsansage erinnert haben soll: Tokai – Tokai, vorbereitet von einer Art Glucksen. Fast jedes Haus in Kambodscha verfügt über seinen eigenen Tokai und erst unlängst konnte ich den an meinem Haus entdecken. Unmittelbar hinter dem Treppenaufgang in der Holzwand des Nachbarhauses lebt der Tokai und hat dort sogar eine stattliche Portion an Eiern abgelegt. Unlängst konnte ich sogar sehen, wie ein kleiner Tokai aus einem solchen geschlüpft ist.