Archiv für den Monat August 2008

Eine kambodschanische Weiseheit sagt,

Freitag, 22. August 2008

daß nur derjenige in Kambodscha richtig Motorrad gefahren ist, der auch mit einer Kuh kollidiert ist. Nun kann ich zum Glück nicht berichten mit einer Kuh zusammengestoßen zu sein. Bei meiner erst unlängst zu Ende gegangenen Gin-Tonic Tournee durch Kambodschas Süden geriet mir allerdings ein anderer Vierfüßler von stattlichem Gewicht unter die Räder. Und das nicht infolge Gin-Tonic Konsums.
Gerade erst angekommen in dem charmanten Küstenort Kep wollten wir das Umland mit dem Motorrad erkunden. Da jedes Reisfeld jedem anderen gleicht, da Khmer Kenntnisse und Orientierungsbefähigung zu wünschen übrig lassen, entschlossen wir uns, die Motorradtour von einem lokalen Exilanten anleiten zu lassen, der in Kep eine Kneipe betreibt. Dieser führte uns zu verlassenen Bahngleisen in einer Art Heidelandschaft, aus der die fünf Freunde offensichtlich gerade erst abgereist waren. Wir trafen einen deutschen Aussiedler, der zum Einsiedler umgeschult hatte, nunmehr Früchte anbaut und diese für einen Hungerlohn feilbietet. (z.B. ca 7 US $ Cent für ein Kilo Papaya im Weiterverkauf an Markthändler). Von diesem Einkommen fristet er sein Dasein allein in einer kleinen Holzhütte in der Einöde Kambodschas.
Weiter führte uns der Weg über eine Schlammpiste, die teils nur zu durchqueren war, wenn man mit Vollgas die etwa knietiefen Wasserlöcher durchbräschte. Mit Vollgas durch knietiefes Wasser und Durchquerung des Wassers an einer bestimmten Stelle sind nun aber Vorgaben, die nicht konfliktlos zueinander stehen. Schon bald kam es daher dazu, dass ich mit meinem Motorrad zu schnell und an falscher Stelle ans Trockene kam und – mich fühlend wie Colt Sievers – einen Holzzaun durchbrach. Nicht so schlimm. Der Zaun war ein Leichtbau, die verbogenen Teile am Moped ließen sich wieder gerade ausrichten und gegen die Zerstörung von Zäunen besteht ohnehin kein prinzipieller Einwand. Diese werden nämlich seit einigen Jahren vermehrt errichtet und zeigen an, in welchem Maße hier das Land veräußert wird. Vielfach kaufen reiche Menschen aus den Städten die Flächen auf und spekulieren mit Erfolg auf die immer weiter steigenden Grundstückspreise. Da hilft zwar eine Wüterei gegen die Zäune nichts, schaden aber kann sie auch nicht.
Nach einigen weiteren Runden durch das kambodschanische Outback setzte ich dann meinen Kollissionskurs fort. Diesmal war ein Schwein an der Reihe. Lagerte es zunächst am Straßenrad, so zog es doch plötzlich vor, die Straße unmittelbar vor meinem Motorrad zu überqueren. Da half nichts mehr. Das Schwein wurde vom Vorderrad erfasst, ich fiel und das Schwein quickte. Kurz darauf quickte es erneut, als es vom mir nachfolgenen Motorradfahrer nochmals erwischt wurde. Alles in allem ist nichts Schlimmes passiert. Ein zerrissenes Hemd, einige Schürfverletzungen und ein später auf vier Dollar betitelter Sachschaden am ohnehin schon zuvor völlig zerschundenen Moped waren der Preis der Schweinjagd. Gelernt habe ich aber, dass man zum Motorradfahren gut daran tut, sich nicht allein mit einem Helm sicher zu wähnen. Auch Schürfverletzungen tun weh und Zusammenstößen mit Tieren sind eine der häufigsten Unfallursachen.

Brüllen, Zertrümmern und weg.

Freitag, 22. August 2008

Fünf Stunden Busfahrt liegen hinter mir und ich glaube, dass der Wert blinder Zerstörungswut durchaus unterschätzt wird. 5 Stunden wurde die Mär vom milchbärtigen kambodschanischen Mopedfahrer gezeigt, der um ein sich zierendes Mädchen buhlt und nach anfänglichen Rückschlägen am Ende ihr Herz erobert. Auf der Honda Dream düsen dann nach fünf Minuten musikalischem Gruselkabinett beide entlang des Boulevard d‘Amour. Herzerwärmend; aber leider auch ohrenbetäubend.
Unterbrochen wurde diese, über Monitor und Bordlautsprecher emittierte Karaoke-Show nur von einem noch wahnwitzigeren Fernsehlustspiel. Dieses war derart verrückt, dass mich außer Stande sehe, auch nur die abstrakteste Aussage über seinen Inhalt zu treffen. Kreischen und Singen spielten in jedem Fall eine wichtige Rolle.
Angesichts solcher fürchterlicher Mainstreamkultur in Kambodscha ist es besonders traurig, dass mir in der gesamten Zeit, die ich hier bin, noch niemand über den Weg gelaufen ist, der diesen Karaoke-Säußel Mist ablehnt. Vielleicht gibt ja hier irgendwo den einen oder die andere, die diesen Unsinn auch nicht ausstehen können. In irgendeinem Sinne präsent sind diese aber jedenfalls nicht.

Wohnung, die zweite.

Freitag, 22. August 2008

Seit fast vier Monaten lebe ich nun bereits in Kambodscha und daher endete nun unlängst auch der Mietvertrag für meine alte Wohnung, die im Vergleich zu meiner neuen in der Retrospektive eher den Namen Bude verdient, dem Begriff also mit dem dereinst Studenten ihre spartanischen Behausungen zu betiteln pflegten. Die neue Wohnung ist da schon eher nach meinem Geschmack: zwei Schlafräume ein Wohnzimmer, zwei Badezimmer, ein Balkon – und das alles auf zwei Etagen verteilt.
Nun mag man sich infolge dieser Beschreibung einen Palast vorstellen. Aber nein, das ist die Wohnung ganz sicher nicht. Die Räume sind klein, die Ausstattung ist ein wenig heruntergewirtschaftet. Dafür liegt sie in einer kleinen Seitengasse, in der fast nur kambodschanische Familien wohnen und in der wir von dem womöglich einzigen niedlichen Kind auf der Welt immer mit »Hello, bye bye, How are you?« begrüßt werden. Vor allem aber ist die Wohnung unglaublich charmant und dazu mit 250 $ auch noch 50 $ billiger als die alte.

Nochmals zu Besuch in Tuol Sleng und auf den Killing Fields

Montag, 11. August 2008

Auf den Killing Fields erinnert eine gläserne Stupa an die von den Roten Khmer Getöteten. Eine mir unbekannte Zahl von Schädeln, die aus den Massengräbern geborgen wurde, ist in jener Stupa aufgebahrt. Scheint mir diese Form des Mahnmals durchaus gelungen zu sein, so ist doch die kleine Ausstellung inhaltlich sehr schlecht geraten. Wenig informativ und von der Gesamttendenz scheint das wichtigste zu sein zu beweisen, dass das schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte in Kambodscha verübt wurde. Warum allerdings über 20.000 Tote auf den Killing Fields von Phnom Penh nicht ohne solche Qualifizierungen als schlimm genug empfunden werden, ist mir völlig unklar.

Ein erneuter Besuch im Tuol Sleng Museum, dem einstigen Foltergefängnis (Codename S21) der Roten Khmer, zeigt, dass hier vieles auf eine bizarre Art ästhetisch wirkt. Nicht nur der Gesamtaufbau der ehemaligen Oberschule trägt zu diesem Eindruck bei. Über außen liegende Galerien sind die Klassenräume oder eben Haft- und Folterräume zu erreichen. Das hell-dunkel Karomuster der Fließen und eine gepflegte Grünanlage im Hof tun das ihrige zu diesen Eindruck hinzu.
Die ausgestellten Portraiaufnahmen der einstigen Insassen sind unglaublich ausdruckstark und man meint von ihnen auf den Charakter all derjenigen schließen zu können, die allesamt umgebracht worden sind – verzweifelt, unbeirrbar, stoisch oder verängstigt.

Eine separate Ausstellung in einem der vier Schulgebäude zeigt die Geschichte der Roten Khmer und liefert interessante Eindrücke von der Inszenierung der Roten Khmer.

Phnom Penh bei Nacht.

Montag, 11. August 2008

Drag-Show in einer Gay Bar.

Monatliche Freitags-Pool Party: