Archiv für den Monat Juni 2008

Immer wieder Berlin

Sonntag, 29. Juni 2008

Grundsätzlich habe ich keine übermäßigen Affekte gegenüber meiner Heimatstadt. Wenn ich dann und wann gegenteiliges sage, dann ist das bloße Koketterie. Ja, in Hamburg lässts sich‘s gut aushalten; es gibt schöne Parks, die Alster, die Elbe und natürlich, den Elbschlosskeller. Dabei ist mir aber wohl klar, dass es durchaus tollere Plätze auf der Welt gibt. Gerade hier in Phnom Penh treffe ich ständig Leute, mit denen ich mich nicht in eine Diskussion um den schöneren Wohnort einlassen brauche. Von einer Stadt höre ich nun allerdings auch recht häufig und halte doch eines für überwiegend wahrscheinlich: Berlin gehört nicht den viel versprechendsten Orten dieser Welt. Hier mag es wohl die eine oder andere Bar mehr geben, ebenso wie ein paar mehr Zusammenbrüche infolge von Amphetaminkonsum; auf der anderen Seite aber gibt es Nazischläger, Smog und lange triste Straßen. Alles in eine Gesamtabwägung gestellt können mich die Vorzüge Berlins nicht überzeugen. Nicht zuletzt muss man sich – um das Bild eines bekannten Kolumnisten zu bemühen – wenn man aus Berlin nach Hamburg zurück kommt, erstmal die Pickel aus dem Gesicht waschen und sich von den gelinde gesagt vorlauten Berlinern erholen.
Nun bin ich hier in Phnom Penh mißlicherweise recht häufig in Smalltalk gefangen. Da sagt man dann, dass man aus Deutschland kommt und schon ist man dabei sich über Berlin zu unterhalten. »Ohh, Berlin is such an amazing city, iliketotallyloveit«. Mir fallen dann immer soviele Argumente gegen Berlin ein, die ich mich nicht traue zu nennen. Man darf dort keine alten Autos fahren, da es eine Umweltzone gibt; im Sommer ist es heiß, im Winter ist es immer kalt – ja wirklich, beides kommt mir dort immer viel extremer als anderswo vor. Letztendlich nicke ich dann meinen internationalen Gesprächspartnern immer nur freundlich zu, um nicht als lokalpatriotischer Griesgram oder gar als Landei zu gelten, das von einer wirklichen Großstadt überfordert wird. Letztlich meinen es die Leute ja auch nur gut; sie denken, dass sie mir einen Gefallen damit tun, dass sie etwas Wertschätzendes über Deutschland sagen. Dass ich mich keinen Deut um die Reputation dieses Landes schere, dass mich der vermeintliche Glanz der Hauptstadt weder in Verzückung versetzt noch dass er auf mich abfärbt, all das wissen sie nicht.

Ich möchte teil einer Mopedbewegung sein

Dienstag, 24. Juni 2008

Jawohl! Jeden Abend findet sie statt, wenn die Kambodschaner sich zu einer Art Cruising aufmachen. Dann wird die Freundin, die Familie oder wer sonst geschnappt, auf dem Motorrad verstaut und dann geht’s im Schritttempo durch den Stau. Sehen und gesehen werden lautet das Motto, um effizienten Verkehr geht es nicht. Dieser Mopedbewegung konnte ich mich nun schon zweimal anschließen. Erst geht es entlang eines der Boulevards auf und ab, dann wird an einem der Parks in der Nähe der Riverside Station gemacht und eine Brause getrunken. Mopedfahren – die Teilhabe am sozialen Leben! Nunmehr auch für mich!
Hamburger/innen erhöret mich und gründet mit mir eine Mopedbande! Das fetzt.

Meine Wahl für die anstehende Verschalung in Hong Kong

Dienstag, 24. Juni 2008

von http://www.de.asiarooms.com

Metropark Kowloon Hotel wird am Herzen von aufgestellt Kowloon. Kowloon ist eine moderne Stadt, durchaus nah an der Hong Kong Insel. Das Metropark Kowloon Hotel ist 50 Minuten durch Auto oder Bus vom Chek Schoß Kok internationalen Flughafen. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong schließen Klimaanlage, Badezimmertelefon mit ein, Haartrockner, bügelndes Brett und tägliche Zeitungen unter andere. Es gibt 487 Räume in allen in diesem Vierstern Metropark Kowloon Hotel. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong Hilfe die Touristen, zum des erstklassigen Komforts beim Reisen zu erhalten. Ein Reisender, der Meilen entfernt von seinem Haus ist, benötigt a großes Abkommen des Komforts, zum in ein neues Land zu Hause zu glauben. Jedoch durch das Verschalen im Metropark Kowloon Hotel, Hong Kong erhält er sicher das gewünschte Niveau der Zufriedenheit. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong schließt die Sachen ein, die notwendig sind, Eineraufenthalt in einem Ausland bequem zu bilden. Alle 487 Räume des Hotels sind klimatisiert. Wenn du ein kleines Baby dir mit und ungefähr sich sorgen läßt sein oder Schlaf dann entspannt gerade sich! Dein Baby hat einen bequemen und stichhaltigen Schlaf in der Babykrippe, die mit dem Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel vorhanden ist, Hong Kong. Im angebrachten Badezimmer findest du Telefone und Duschen. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong erhält sogar besser, während er unterschiedliches liefern Duschen im Badezimmer. Das Hotel versieht auch mit Bathrobes. Das Telefon im Badezimmer hilft dir, Anrufe sich zu sorgen oder zu bilden, sogar während du eine Dusche hast. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong Telefone haben außerdem angebracht in Räume. Im Schließfach in jedem Raum kannst du wichtig halten Dokumente oder Eigenschaften. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong folglich Nehmenobacht deines persönlichen Eigentums. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong Touristen mit Zeitung versehen jeden Morgen. Wenn der Reisende wie fühlt, können er oder sie an schlendern die Terrasse. Diese Eigenschaft im Raum-Service an Metropark Kowloon Hotel, Hong Kong ließ ihn einen überblick über die Stadt von der Terrasse haben und die Brise auch genießen. Ein kann bestimmte romantische Momente mit Einerpartner auf der Terrasse außerdem genießen. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong mit einem schnellen Internet-Anschluß auch versehen. Touristen können Filme in ihrem Hotelraum auch genießen. Das bügelnde Brett, das mit dem Raum-Service kommt Metropark Kowloon im Hotel hilft Hong Kong dir, die klaren und sauberen Tücher zu tragen; nach ganz guter Behandlung Einerstimmung anheben. Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong Arbeit Schreibtisch- und voicemaildienstleistungen auch einschließen. Während das ehemalige erleichtert deine Schreiben Belastung, die die letzte läßt du kennst in allen eingehenden Anrufen aus. Wenn du eine Allergie in Richtung zum Zigaretterauche dann hast du kannst den nicht-rauchenden Räumen nützen. So gibt Raum-Service Metropark Kowloon im Hotel, Hong Kong dir einen Gesamtkomfort.

Sonntag abend, Phnom Penh

Montag, 23. Juni 2008

Rhythm is a Dancer

Montag, 23. Juni 2008

Mein neuer Nachbar ist ein formidabler Typ. Nicht nur trägt er im staubigen Kambodscha weiße, eng anliegende Hosen, er geht auch bis in die frühen Morgenstunden in die Diskotheken und schwingt das Tanzbein – er ist ein Tänzer, der hier in einer Tanzgruppe für einige Monate trainiert. Er ist Amerikaner, hat aber kambodschanische Eltern und spricht daher perfekt Khmer. Warum schreibe ich all diese Marginalien – naja nur um zu illustrieren, dass mein Nachbar mein Eintritt in die Welt der lokalen Jugendkultur ist, jedenfalls zu einem Teil davon. Da er mit verschiedenen kambodschanischen Performancekünstlern arbeitet, kam auch ich in den Genuß in einem Mob von Kambodschaner/innen von Club zu Club zu ziehen und dort das Nachtleben in teilnehmender Beobachtung zu studieren.
Zunächst ist zu sagen, dass die Musik überall fürchterlich ist, aber fürchterlich und fürchterlich sind zwei grundverschiedene Kategorien, abhängig von der Quantität der Fürchterlichkeit. Ich halte es mit der Musik nämlich ganz dialektisch; ab einem gewissen Ausmaß der Fürchterlichkeit findet ein Umschlag statt – von der Fürchterlichkeit in reine Affirmation. Nun, der erste Club lag leider noch unterhalb jenes Umschlagspunkt. Zu unsäglichem Khmer-Pop tanzte eine Teenagercrowd in einem Laden, der ein wenig so aussah, als wäre er gerne der Anlaufpunkt für die lokalen Gangsterbosse. Möglicherweise ist er das sogar, keiner weiß das so genau. Besonders die eigens abgesperrte VIP-Lounge erinnerte mich doch stark an amerikanische Ganovenfilme. Aber gut, lange sollten wir in diesem Club nicht verweilen. Mit zwei jugendlich Draufgänger auf einem Motorrad ging es weiter. Über die und ihren Fahrstil rege ich mich als unbescholtener Verkehrsteilnehmer sonst immer auf, da ihre waghalsigen Fahrmanöver schlicht als gemeingefährlich bezeichnet werden müssen. Aber gut, i got a free ride, no need to complain.
Das nächste Ziel war ein Club, der geradezu eine Institution des Nachtlebens von Phnom Penh ist, »The Heart of Darkness«. Dieser Club ist etwas verrucht; Früher gab es hier häufiger Schießereien und andere gewalttätige Auseinandersetzungen. Auch kann man von vieler Seite noch die Warnung vernehmen, sich nicht mit den kambodschanischen Besuchern anzulegen. Die Oberklassekids sind dem Vernehmen nach nämlich dann und wann gelangweilt und suchen die Tristesse durch eine ordentliche Prügelei zu durchbrechen. Verständlich wohl; für Menschen wie mich, die in Schlägereien eher ungeübt sind, freilich keine rosige Aussicht; zumal die kambodschanischen Kids scheinbar auch noch Bodyguards mitbringen, so dass der Ausgang jeder Auseinandersetzung schon im Vorhinein feststeht. Wie dem auch sei, Leibesvisitation am Eingang und grimmig drein blickende Wach-Schläger auf Schritt und Tritt sollen das Schlimmste verhindern.
Musikmäßig ist dieser Club schon deutlich jenseits des nämlichen dialektischen Umschlagspunktes. Gleich bei meiner Ankunft schallte der 1990er Evergreen »I like to move it, move it« aus dem spärlich beleuchteten Club und dieses Niveau wurde im Wesentlichen gehalten.
Auch im Heart of Darkness gilt, was überall Phnom Penh Geltung beansprucht – es gibt keine räumlichen Differenzierungen zwischen verschiedenen Musikrichtungen, Lebenseinstellungen und Subkulturen, alle treffen sich an einem Platz, da es nichts anderes gibt. Der Laden ist normale Disco, Gaybar, Anbandelkneipe und Bar in einem. Hauptsächlich Khmer-Jugendliche, aber auch nigerianische Dandys mit dickem Goldschmuck, ältere alleinreisende Herren, Touristen, Expats und viele Prostituierte sind das Publikum. Mir schien alles recht tolerant zuzugehen, was mich auch gerade im Hinblick auf Homosexualität überrascht hat, da ich angesichts der noch weithin traditionelleren kambodschanischen Gesellschaft eher mit einer gewissen Feindseligkeit gerechnet hätte.
Ein wenig irritierend wirkt an dem jüngeren kambodschanischen Publikum, dass sie alle so unglaublich jung aussehen. Die Leute aus der Gruppe, in der ich unterwegs war, können schlechterdings nicht so jung sein, da sie immerhin mehrheitlich Studenten waren. Irgendwie kamen sie mir aber wie 15 vor. Nunja, die Entscheidung ob jemand 15 oder 25 ist, kann auch mein Nachbar nicht fällen und der hat immerhin noch eine größere Affinität zur kambodschanischen Kultur und Gesellschaft als ich.
Ob nun 15 oder 25, alle zusammen bemühen sich eine ordentliche Discoschau abzuziehen, die im Wesentlichen das Abziehbild der amerikanisch-europäischen Musikveranstaltungen ist; oder besser, von dem Bild, das man in Film und Fernsehen von denselben vermittelt bekommt. Die Überspitzungen, von denen Filme leben, werden hier in verschiedenen Ritualen nochmal übersteigert. Aufwendige Trink-Anstoßrituale alle 30 Sekunden werden wohl als Ausdruck unglaulicher Ausgelassenheit angesehen; sexualisierte Tanzeinlagen sind als Ausdruck eines gelungenen Abends unverzichtbar. Aber all das stimmt irgendwie nicht und wirkt auf seine ganz eigene Weise inszeniert. Nicht, dass nicht in jedem Club der Welt irgendeine Inszenierung liefe. Diese hier aber ist noch offensichtlicher Kopie und wer das Original (oder zumindest die originalere Kopie) kennt, nunja – der hat auch seine Freude.

»Motorbike? ……. Marihuana? Skunk? Girls?«

Freitag, 13. Juni 2008

Ja, in Kambodscha muss man sich entscheiden können. Ich entscheide mich daher dafür, die Gestalt, die mich das immer, wenn ich sie sehe, fragt gutzufinden. Gleich bei meinem Haus, links um die Ecke, da steht immer ein Herr, der eben jene Dienstleistungen vermitteln will. »Motorbike« sagt er dabei noch im normalen Tonfall. Bei »Marihuana« schaut er schon etwas verstohlen umher. Skunk ist dann meine Lieblingsstelle; hier hebt er die Schultern und zieht den Kopf ein, macht den Hals aber auch irgendwie lang und schiebt den Kopf nach vorne. Jedenfalls sieht er dann aus wie diese kleine, gebeugte Gestalt aus Lord of the Rings, deren Namen ich nicht kenne; und er spricht auch so wie eine solche Figur unbedingt sprechen muss. Neulich habe ich ihn zusammen mit einem Kollegen mit einer – wie man früher sagte – Kommunikationsguerilla konfrontiert, als er zu seiner Aufzählung anhob. Nachdem er Marihuana gesagt hatte, haben wir ihn in eben jener beschriebenen Pose nach Skunk gefrag. Er war ein wenig irritiert, aber so recht verstanden hat er unsere Parodie nicht.

Denjenigen Leser/inne/n, die sich mit Drogenkunde nicht auskennen, sei nur kurz erklärt, dass es sich bei Skunk um eine besondere Sorte von Cannabis handelt.

Sonntag, 08. Juni 2008

Besonders gern mag ich an Phnom Penh, dass viele Dinge einfach ein Stück neben der mir sonst eingewöhnten Spur liegen und dadurch ein wenig verschroben wirken. Häufig sind das nur Kleinigkeiten, derer gibt es aber dann eine große Zahl. So zum Beispiel dürfte Phnom Penh eine der wenigen Hauptstädte der Welt sein, die noch mit einem Mao-Tse-Tung Boulevard aufwarten kann. Und besser noch, auf den Mao-Tse-Tung Boulevard mündet eine kleinere Straße, die nach einem alten Kumpel Maos benannt ist, die Rue de l‘Union Europeênn.

Neben der Spur liegt man vielfach auch in den Bars. Die Bestellung eines Martini Cocktails bescherte mir einst die Frage, ob derselbe geschüttelt oder gerührt sein sollte. Klar muss man, wenn man James Bond geschaut hat, eben diese Frage stellen. Und klar auch, dass man nicht eine, nicht zwei oder drei, sondern vier mit Paprika gefüllte Oliven aus ihrer Essiglösung nimmt, sie auf einen Zahnstocher spießt und sie ins Glas wirft.
Noch ein weiteres Beispiel sei gestattet. In Phnom Penh gibt es nur wenige Bars, in denen Livemusik gespielt wird. Eine davon, ist der Memphis Pup. Dort spielt eine lokale Band die Hits der letzten vierzig Jahre, ohne sich um Musikrichtungen oder Stile zu scheren in mäßiger Qualität quer durcheinander. Erst schunkelt man zu Motorheads Sex and Death, unmittelbar danach zu Bob Marley. Bleibt noch zu erwähnen, dass sich das seit zwei Jahren nicht verändert hat; auch bei meinem letzten Besuch in Phnom Penh gab es diese Band und diese Lieder schon, ich tippe gar auf Personenidentität der Musikanten.

Der Tiger in der Nacht

Sonntag, 08. Juni 2008

Der Tiger in der Nacht hat in Phnom Penh zwei zu Hause. Einerseits haust er mit den lokalen Herren in kleinen, spärlich eingerichteten Trinkhallen, in denen man sich zu Fernsehen auf kleinen Plastestühlen volllaufen lässt. Denn, so erfuhr ich von einem kambodschanischen Kollegen, das Konzept eines kommunikativen Betrinkens ist in der hiesigen Kultur eher nicht verankert und so geht es offenbar recht zielstrebig um die Steigerung des Alkoholpegels. Das nun wiederum ist in den von den Touristen und Expats frequentierten Etablissements freilich nicht grundverschieden. Dort aber ist‘s für meinen Geschmack gemütlicher und diese Gemütlichkeit bezahlt man auch mit Preisen die für die meisten Kambodschaner unerschwinglich sind. Bier gibt‘s für ca. 1 – 1,50 US $, Cocktails und Longdrinks für etwa 2 – 3 $.
Für das Abendprogramm bewährt sich in Phnom Penh ein Start um ca. 5 Uhr. Dann kann man sich in irgendeine Bar am Wasser begeben und dort den oft fantastischen Sonnenuntergang ansehen. Am Freitag fiel meine Wahl hier auf eine Bar, die auf der der Stadt abgewandten Seite des Tonle Sap liegt. Ich unternahm also eine kleine Fahrradtour, um den Fluss an einer etwas nördlich gelegenen Brücke zu überqueren und dann wieder auf der andren Seite gen Süden zu fahren.

Von dieser Brücke hat man eine sehr weite Sicht und kann daher auch Bereiche der Stadt sehen, die einem aus der Strassenperspektive verschlossen bleiben. Hier gewinnt man dann schon einen Eindruck, wie es in Phnom Penh noch vor 10 – 20 Jahren an vielen Stellen ausgesehen haben muss. Das Flussufer ist gesäumt von teilweise kläglichen Holzhütten, die auf Pfählen über dem Wasser errichtet sind. In eben solchen Holzhäusern befinden sich dann auch einige Bars, in denen man sehr entspannt sitzen und über den Fluss schauen kann.

Für das spätere Abendprogramm gibt es dann eine Vielzahl von mehr oder weniger netten Bars; besonders schön dabei auch wieder, dass viele am Wasser gelegen sind.
Diesen Freitag stand aber etwas Größeres auf dem Programm. Jeden ersten Freitag im Monat findet nämlich in einem Restaurant eine riesige Party statt. Im Palmengarten einer alten französischen Kolonialvilla gibt es eine open-air Disko, eine Cocktailbar und – ganz wichtig – einen Swimmingpool, in den die Menschen mit zunehmender Alkoholisierung mit allem was sie anhaben hinein springen oder hineingeworfen werden.
Die Musik variiert zwischen D&B und Disco und die Djs scheinen – so beschränkt ich das beurteilen kann – ihr Geschäft in technischer Hinsicht durchaus gut zu beherrschen. Das Publikum besteht im Wesentlichen aus Leuten, die für einige Monate in Phnom Penh wohnen und in irgendwelchen NGOs arbeiten. Es gibt ja eine regelrechte Praktikumsindustrie, die junge Leute aus aller Welt ins arme Kambodscha holt, damit sie dort wohltätige Arbeit verrichten können. Häufig zahlen die Praktikanten sogar dafür, dass sie umsonst arbeiten können. (sic!) Diese Schwemme spült nun auch einige fragwürdige Gestalten nach Phnom Penh. So beispielsweise einen ca. 19 jährigen Australier, der Kambodschaner seiner eigenen Verlautbarung nach in Business unterrichtet. Denn, das weiß ja jeder, die Roten Khmer haben so einiges kaputt gemacht, unter anderem auch das Vertrauen in die Banken und ihnen dieses zurückzugeben ist nun die Aufgabe des Australiers…
Insgesamt sind aber auch viele nette Leute unterwegs und zudem ist einfach die Gesamtatmosphäre einer Poolparty im Palmengarten gar unübertrefflich.

Welcome to Lexus County

Freitag, 06. Juni 2008

Kambodscha ist eines der ärmsten Länder Asiens. In Phnom Penh sieht man das an vielen Stellen und in vielen Schattierungen: Strassenkinder, die Betteln; Kinder, die Bücher verkaufen müssen, um die Familie zu unterstützen; alte Menschen am Strassenrand, die sich kaum noch bewegen können und von denen man nicht weiß, wie sie dahin gekommen sind; Fahrradrikscha (Cyclo) Fahrer, denen man die Armut an Kleidung und Gesicht ansieht. Auch die große Masse der Mopedfahrer und Marktverkäuferinnen sind definitiv das, was wir als arm bezeichnen würden.

Kind mit Bücherverkaufskorb

Dazu ein weiteres Beispiel: der Vermieter meiner Wohnung hat für die Verhältnisse des Landes sehr gute Voraussetzungen. Er hat zusammen mit seiner Frau ein Silbergeschäft, ist Direktor eines Instituts an der Universität und hat dazu eine Fremdsprachenschule. Dazu hat er viele kleine Wohnungen in seinem Haus, die er vermietet und dabei recht viel Geld verdient. Er hat sich wahrscheinlich für die Sanierung des Hauses verschuldet, aber dennoch… Er wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern im Silbergeschäft unter recht beengten Verhältnissen. Ein Auto hat er jedenfalls nicht, ich glaube nichtmal ein Motorrad. All das schreibe ich nur für den Kontrast, der in Phnom Penh allgegenwärtig ist und der sich in den zwei Jahren seit meinem letzten Aufenthalt in Phnom Penh erheblich verschärft hat; ich meine den Reichtum einer relativ kleinen, in absoluten Zahlen aber eben doch großen Gruppe von Menschen.

Unbesehen glaube ich die mir zugetragene Geschichte, dass Phnom Penh die Stadt mit der höchsten Lexus Dichte in der Welt sei; jedenfalls gibt es hier ähnlich viele Oberklasseautos wie in Hamburg. Riesige Toyota-, Lexus- und Mitsubishi-SUVs säumen die Strasse, auch 600er Mercedese und Hummer Trucks sind hier unterwegs. Wen überraschts, dass die Fahrer dieser Fahrzeuge zum großen Teil aus dem Speckgürtel von Militär und Regierung kommen. Es ist dabei zu vermuten, dass sie die 50.000 – 100.000 US $ für die Autos nicht von ihrem 500 $ Gehalt abgezweigt haben. Zwar sind 500 $ in Kambodscha durchaus ein sehr gutes Gehalt und wird nur oberen Bediensteten zuteil; wenn man davon aber einen Lexus will, muss man aber sparen.
Aber klar, irgendwo rein müssen die geschätzten 300 Mio. Dollar, die in Kambodscha jährlich von Entwicklungshilfegeldern abgezweigt werden und spurlos im kambodschanischen Apparat versickern, ja investiert werden. Irgendwo müssen sich ja auch die 5 Dollar wiederfinden, die man für einen Verkehrsverstoß bezahlt hat, den man nicht begangen hat und erst recht die tausenden Dollar, die in ganz anderen Zusammenhängen in eine günstige Entscheidung durch die Obrigkeit investiert werden. Gerichtsentscheidungen ergehen, so munkelt man, in der Regel nicht nach einem
abstrakten Recht, sondern nach Gunst. Und wie man die erlangt, dürfte ja klar sein.

Enemy of the Sun

Freitag, 06. Juni 2008

Viele ästhetische und modische Fragen würden von der Mehrheit der Kambodschaner einerseits, mir andererseits wohl unterschiedlich beantwortet werden. Zum Beispiel halte ich den langen Fingernagel, den sich hier viele an einem Daumen züchten für eine unglückliche geschmackliche Verirrung. Auch den Bart, den sich hier ein Gros der jungen Herren versucht wachsen zu lassen, kann ich nur belächeln, da er mich unweigerlich an Mopeds und Bushaltestellen erinnert.
Beipflichten kann ich den Kambodschanern aber nur in ihrer Einstellung zur Sonne, oder genauer gesagt zu dem, was die Sonne mit der Haut macht. Ja richtig, diese macht jene braun und die Kambodschaner und ich, wir mögen das nicht. Ich bin, was die Verdeckung jedes Zentimeters Haut angeht nun zwar nicht ungeübt, aber keineswegs Perfektionist verglichen vor allem mit einer Vielzahl kambodschanischer Damen. Diese kaufen – zumindest schließe ich das aus dem reichhaltigen Angebot – auch gerne »Whitening Cremes« um den ersehnten Teint noch schneller zu erreichen.
Ich kann solche neurotischen Verhaltensweisen gut verstehen, erinnern mich doch braungebrannte Leute immer an Kraft durch Freude Einrichtungen in denen kernige, lachende und gesunde Menschen in der Sonne kollektive Sportübungen betreiben.
Nun lassen sich aber meine zugegebenermaßen sich nicht unbedingt aufdrängenden Assoziationen keineswegs auf Kambodscha übertragen. Keiner wird wissen, was eine Kraft durch Freude Einrichtung ist und nicht zuletzt haben die Leute hier schlicht eine dunklere Haut. So ist es – so wurde mir versichert – nur die Geltungssucht der städtischen Bevölkerung, die sich gegenüber der Landbevölkerung abheben wollen, indem sie dem Modeideal der weißen Haut nacheifern. Wer braun ist, ist Feldarbeiter, wer helle haut hat, sitzt den ganzen Tag im klimatisierten Büro.
Am Ende also dann doch wieder keine Einigkeit, zumindest nicht im ideologischen Überbau der Mode.

Das Foto zeigt eine der typischen Werbungen hier, in denen alle Models immer ganz helle Haut haben, oder diese ihnen zumindest mit Hilfe von Bildbearbeitung gegeben wurde.