Archiv für den Monat Mai 2008

Kampot - Bokor Hill Station

Montag, 26. Mai 2008

Reisen dauert innerhalb Kambodschas immer mindestens einen Tag; dies wurde mir am Wochenende abermals durch meinen Wochenendausflug bestätigt. Einen Tag fährt man hin, einen zurück und einen war ich in der südliche Provinz Kampot, die am Golf von Thailand gelegen ist. Die Provinzhauptstadt, die ebenfalls Kampot heißt, liegt ca. 150 km von Phnom Penh entfernt und ist mit einer – für die Verhältnisse des Landes – guten Straße angebunden. Aber eben nur mit einer verhältnismäßig guten Straße. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30 km/h dauert es nach Adam Riese dann eben doch fünf Stunden, bis man ankommt; die Unbilden vor und nach der Abfahrt – wie zweistündige Verspätungen des Busses – sind da noch nicht berücksichtigt.

In der Provinz Kampot lebt man wie fast überall in Kambodscha hauptsächlich vom Reisanbau. Schier endlose Reisfelder, durchzogen von Bewässerungskanälen sowie Kokosnußpalmen, die die Ebene immer wieder aufbrechen, bestimmen das Landschaftsbild. Dazu wird hier Pfeffer angebaut, der – so gibt man in Kampot vor – wegen seiner Qualität weltweit berühmt ist. Je näher man sich der Küste nährt, um so hügeliger, schließlich auch bergiger wird das Land.

In Südkambodscha herrscht eine beachtliche Malariagefahr und daher muß man sich ganztägig und großflächig mit einem Wirkstoff namens Deet einreiben; dem einzigen Stoff, der die Moskitos mehr oder weniger zuverlässig fern hält. Nimmt man den, dann brennt die Haut fürchterlich und man empfindet die ohnehin hohen Temperaturen nochmal intensiver. Man kann sich aber auch so konditionieren, dass man dieses Brennen als verheißungsvolles Signal von Freizeit und Urlaub schätzen lernt, schließlcih braucht man es ja nur in den Tropen.

Kampot selbst ist eine kleine verschlafene Stadt mit einigen französischen Kolonialbauten. Viele Gebäude in der Stadt sind kaputt, scheinbar noch aus der Zeit der Roten Khmer, die hier recht viele Häuser der Franzosen zerstört haben. Die eigentliche Attraktion Kampots geht ihrerseits auch auf die Franzosen zurück. Es handelt sich um eine alte, heute verlassene Siedlung in den Bergen – die Bokor Hill Station. Diese wurde in den Zwanziger Jahren von den Franzosen errichtet und diente den Reichen Südostasiens als ein Erholungsort. Auf 1080 m Höhe, die direkt vom Meeresniveau aus anheben, sind die Temperaturen tatsächlich nicht mehr so unerträglich wie überall sonst in Kambodscha. Man findet dort eine Vielzahl von Gebäuden von denen das wichtigste der beeindruckende Casinobau ist, der einst Spielsalon, Ballsaal und ein Hotel beherbergte. Ferner gibt es auf dem Berg eine kleine Kirche, die in den zwanziger Jahren eine der beiden katholischen Kirchen Südostasiens war und daher ein weites Einzugsgebiet für Hochzeiten hatte. Dazu gibt es einen futuristischen Wasserturm und zahlreiche weitere Wohn- und Verwaltungsgebäude.

Das Gelände wurde schließlich im Zuge des Bürgerkriegs in Kambodscha, der in den 1950er Jahren begann, verlassen. Seitdem haben zahlreiche verschiedene Armeen das Gelände als Rückzugort genutzt, zuletzt die Roten Khmer, die sich bis 1998 (bis zum Tode Pol Pots) hier aufhielten und erst dann infolge einer Amnestie den bewaffneten Kampf aufgaben. Zahlreiche Einschußlöcher und die Reste militärischer Anlagen kann man heute hier immer noch sehen. In Jahren der Herrschaft der Roten Khmer nutzten diese das Casinogebäude auch als Foltergefängnis.

Die Anfahrt zum Bokor Hill gestaltete sich lange Jahre sehr schwierig, da die Straße in sehr schlechtem Zustand war. Jetzt hat ein Investor das gesamte Gelände für 100 Mio. US $ gekauft um dort abermals ein Hotel und ein Kasino zu errichten. Die alten Gebäude sollen vorerst nicht angetastet werden, es ist aber klar, dass die Geisterstadtatmosphäre weichen wird, wenn erst die Bauarbeiten beginnen. Einstweilen befestigen die Arbeiter die Straße, damit sie die für die Bauarbeiten erforderlichen Maschinen dann im Verlaufe des Jahres auf den Berg bringen können. Das bringt den Vorteil, dass man nun auch im Minibus auf den Berg fahren kann und nicht auf der Ladefläche eines Pickups im Regen sitzt. Prinzipiell kann man auch eine Trekkingtour auf den Berg machen, benötigt dafür aber zwei Tage, die ich leider nicht zur Verfügung hatte. Daher schloß ich mich einer organisierten Tour eines sehr wohlinformierten Guides an. Dieser Guide war 1976 aus Kambodscha geflohen, als die Roten Khmer gerade seine Familie umbrachten und er wußte, dass er der nächste wäre. Er floh nach Vietnam, wurde dort inhaftiert und musste schließlich auf der Seite der Vietnamesen gegen die Roten Khmer kämpfen. Er konnte die beinahe idyllische Geisterstadtatmosphäre durchaus erschüttern, als er von den Dingen berichtete, die er dort selbst erlebt hat.

Die meisten der Gebäude auf dem Bokor Hill sind recht stark verfallen, dagegen sind Kirche und Casino noch in einem erstaunlich guten Zustand. Da aber in allen Gebäuden Fenster und Türen fehlen, regnet es herein und die Feuchtigkeit zerstört die Substanz der Häuser nach und nach. Fenster und Türen, gar Elektrokabel wurden von den hier stationierten Soldaten aus den Wänden gehackt und andernorts weiterverwandt.

Das Casino steht direkt an einem Abgrund, der bis fast auf Meeresniveau reicht, also 1000 m nach unten geht. Dieses Gefälle erzeugt ein ganz bizarres Wolkenschauspiel. Das Gebäude steht im einen Moment im prallen Sonnenschein, im nächsten wird es von einer Wolke umschlungen, die sich über den Berg ins Tal schiebt.

Durch die organisierte Tour bin ich dann auch noch in den Genuss eines Wasserfalls gekommen, der sich in der Nähe des Bokor Hills befindet und der nur auf Schleichwegen durch den Dschungel zu erreichen ist.

Tiere in der Großstadt, darf man nie alleine lassen.

Samstag, 17. Mai 2008

Phnom Penh liegt ja nun wahrlich nicht am Puls der Welt, dennoch aber ist es eine Großstadt und da frag ich mich schon, was die Gesellen auf den Bildern da mitten in der Stadt zu suchen haben.

Full Time Na! Baby.

Samstag, 17. Mai 2008

Neben Übertragungen von chinesichen Militärparaden am Tiananmenplatz findet man die größten Perlen des asiatischen Fernsehens doch immer wieder auf den Musiksendern. Da tut es mir gar nicht mehr so weh, dass ich weit entfernt von der Heimat keinen Zugriff auf Modern Talking oder Patrick Juvet habe. Denn auch hier gibt’s mit Weichzeichner und Farbübersteuerung ein gehöriges Ambiente in die Flimmerkiste geliefert. Die Rummeltechnosongs werden dabei mit Karaokeuntertiteln aufgepeppt und um eine Tanzeinlage im Hintergrund bereichert. Besonders beliebt ist es, sich im groben der Akkordfolge eines internationalen Pophits der 80er und 90er Jahre zu bedienen (gerne Rednex), freilich nicht, ohne zuvor jede Note, die nicht auf dem vollen Viertel kam zu streichen. Verzückend sind aber vor allem auch die Texte, von denen ich leider nur die englischen Teile verstehe (und das auch nicht, weil sie so deutlich gesungen sind, sondern eben, weil es einen Untertitel zum Mitsingen gibt). Die lauten dann aber ungefähr so: Taxi Sexy Sexy; oder Full Time Na! Baby.
Unten habe ich einige Bilder angefügt, die vielleicht einen groben Eindruck davon vermitteln können, was da – ganz unbemerkt von der Weltöffentlichkeit – im kambodschanischen Fernsehen Tolles passiert.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Einiges hat sich geändert, einige neue Banalitäten aus meinem Alltag haben sich zugetragen und die möchte ich wahrlich niemandem verschweigen. In erster Linie habe ich nun angefangen zu arbeiten, dazu habe ich auch ein Wohnung gemietet und konnte damit der täglichen Konfrontation (nein, keine Schlägerei) mit Backpackern entsagen. Zuerst zur Wohnung. Die Wohnungssuche gestaltete sich trotz aller gegenteiliger Bekundungen meiner Arbeitskollegen durchaus nicht ganz einfach. Zwar herrschen hier in Wohnungsangelegenheiten nicht gerade Hamburger Verhältnisse, aber wer zentral, mit Balkon, mehreren Schlafräumen für die Freunde, leise, renoviert und dann auch noch günstig wohnen will, der ist schließlich auch in Phnom Penh an der falschen Adresse. Abstriche waren also nötig. Freilich wurde zunächst an den Freunden gespart, die müssen nun woanders hin, denn alle aufeinmal passen nicht in mein eines, wenngleich recht großes Zimmer. Die zweite Abweichung vom Plan betrifft die Geräuschbelastung. Die Wohnung ist laut, sie liegt an einer vielbefahrenen, wenn auch nur zweispurigen Straße, dazu ist sie auch teuer, 300 US $, was aber gerade noch am hiesigen Durchschnitt für (billige) Ausländerwohnungen liegt. Ein Kollege von der Arbeit, ein kambodschanischer Student sagte, dass er für sein Zimmer 35 $ zahlt. Die aber hat wahrscheinlich nicht die Annehmlichkeiten, an die ich mich doch so sehr gewöhnt habe und zudem ist bei vielen Plätzen auch Vorsicht geboten, da sie einfach nicht sicher genug für Ausländer sind. Als Ausländer muss man sich natürlich stets mehr vor Einbrüchen und dergleichen schützen, als das Locals tun müssen.
Naja – nun hat die Wohnung glücklicherweise nicht nur negative Eigenschaften. Sie ist sehr zentral, ist komplett frisch renoviert und ich habe jetzt W-Lan zu Hause, was dem gegenüberliegenden Café zu verdanken ist, in dem ich Prepaidkarten erwerben kann. Und nicht zuletzt, ich habe eine große Terrasse.
Meine Wohnung liegt eine Straße hinter der sog. Riverside (dort fließt der Tonle Sap in den Mekong), der Stelle wo die meisten Bars und Ausgehmöglichkeiten sind. Ich muss dann ein altes Schiebegitter zur Seite ziehen, ein paar dunkle Treppen nach oben steigen, durch einen kleinen Innenhof auf halber Höhe, von dem noch zahlreiche Wohnungen abgehen, in denen Locals wohnen. Dann noch ein paar Treppen und ich stehe vor meiner Tür, die mit zwei, zusammen etwa ein Kilo wiegenden, Vorhängeschlössern gesichert ist. Vergittert ist natürlich auch alles. Na hoffentlich bewahrt mich das vor Einbrüchen!

Dexter: Stay out!

Vor meiner “Haustür”

Bei meiner Wohnungssuche durfte ich eine Menge scheußlicher Häuser sehen. Viele sahen von innen aus wie Schlachthäuser, nur ohne Blut. Das liegt daran, dass die Räume auch innen oftmals sehr hoch gefliest sind. Da die Häuser ja, wie berichtet, schmal sind, und daher oftmals nur vorne ein Fenster haben, ist der ganze hintere Teil der Wohnung dann eine Dunkelkammer, die von fahlem Neonröhrenlicht in Szene gesetzt werden. Fürchterlich! Aber nicht billig. Auch interessant war die Wohnung, die vom ersten Geschoss eines Massagesalons abging. Ein Massagesalon, über dessen wahren Charakter ich mir noch uneins bin. Nun jedenfalls gibt’s kein zurück mehr, die Wohnung ist für drei Monate gemietet und nach anfänglichem Klagelied über die Lautstärke und die (ich habe sie noch gar nicht erwähnt) Hitze, bin ich nun doch versöhnlich gestimmt. Apropos Hitze: ich habe mir ein Termometer gekauft, und kann nun sagen, dass es relativ konstante 30 °C in meiner Wohnung sind; die Luftfeuchtigkeit, die meine Neuanschaffung auch anzeigt, bewegt sich seit gestern zwischen 70 und 85%. Es ist also gewöhnungsbedürftig.

Die Arbeit nimmt nun den größten Teil meiner Zeit in Anspruch. Um sechs muss ich aufstehen, um sieben fährt der Bus, kurz nach acht ist er an der Arbeitstelle, halb fünf bringt er einen zurück in die Stadt; um sechs, manchmal auch erst um sieben ist man dann zurück. 20 Kilometer Fahrt können im Verkehrschaos Phnom Penhs schon einige Zeit dauern. Besonders an meinem ersten Tag konnte ich die Stadt nun auch einmal komplett überflutet sehen. Große Teile der Innenstadt standen unter 20-40 cm Wasser. Das steht dann da ein paar Stunden und irgendwann ist es wieder weg. Phnom Penh ist nämlich auf vormaligen Sumpfland gebaut, das eigentlich in der Regenzeit überflutet wurde. Da nun aber alles betoniert ist, sucht sich das Wasser halt einen anderen Weg. Wenn die Regenzeit, die gerade noch am Anfang ist, ihren Höchststand erreicht, dann fahren die Leute hier scheinbar mit Boten durch die Stadt, zumindest in den besonders betroffenen Gebieten.

Bogie & Bacall

Donnerstag, 01. Mai 2008

Cambodian Electricity Standards – Wanna take a shower?

Donnerstag, 01. Mai 2008

Heute habe ich mein altes Hotel, in dem dies meine Duschapparatur war, verlassen. Es war zwar alles in allem ganz in Ordnung, doch haben mir in den vergangenen zwei Nächten Jugendliche Rowdies das Leben schwer gemacht. Türen schlagen und laut Fernsehenschauen, das waren keine feinen Engländer, sondern eher Aussi-BBQ Unholde. Wie dem auch sei. Die neue Unterkunft bringt einen erhöhten Komfort mit sich. HBO kann ich nunmehr störungsfrei empfangen, meine Tür ist verschliessbar (die im alten Hotel liess sich auch mit einem Geldstück aufschliessen) und das Hotel scheint erst kürzlich renoviert worden zu sein. Vor allem habe ich einen weiten Blick auf die Stadt, seitlich auch auf den Königspalast. Dazu muss man hier auch nichts bezahlen – vorerst. Alles wird aufgeschrieben und am Ende ist Zahltag. Das enthebt mich zum Glück der ewigen Kramerei nach kleineren Geldbeträgen.
Nachdem es gestern durch Bewölkung durchaus erträglich draussen war, ist es heute so heiß, dass ich bis heute nachmittag nicht raus gehen kann. Das Problem ist weniger die heiße Luft als vielmehr die Sonneneinstrahlung, unter der man sich wie in einer Mikrowelle fühlt (jedenfalls so, wie ich mir das in einer Mikrowelle vorstelle).
Gestern abend hat es mich dann noch zum zentralen Backpacker-Ort, dem Boeng-Kak See verschlagen. Dort gibt es eine Vielzahl von billigen Hostels, die auf Stelzen über dem See gebaut sind. Der See ist recht groß und weithin mit einer Art Seerosen bewachsen. Nur am Rand sieht man Wasser, und so glaubt man eher, dass er vor allem von einer einzigen großen Insel ausgefüllt wäre. Die Eintrittskarte in diese Lakearea scheint vor allem ungebändigtes Hippietum zu sein. Gute Chancen auf Einlass hat man, wenn man einen ganz langen Bart und ein ungepflegtes Äußeres hat. Überall riecht es nach Gras und auch die Polizei dort ist anders als anderswo in der Stadt. Die fährt nämlich einen 70er-Jahre Mustangverschnitt; eine Evil-Knivel Karre, auf der vorne Police geschrieben steht. Klasse!
Ich habe mich dann noch einige Zeit mit einem vollkommen bekifften Rastafari-verschnitt unterhalten. Der sprach so leise, dass ich ihn trotz redlichen Bemühens einfach nicht verstehen konnte. Manchmal habe ich nachgefragt, noch häufiger aus Höflichkeit zustimmend genickt. Meine Lieblingsstelle in diesem »Gespräch« war schließlich, als er immer leiser meditativ vor sich hin sprach und dann im Hintergrund Bryan Adamy? mit »I just wanna feel real love« ein Ständchen beibrachte. Alles in allem ein echt entspannter Platz, um einige Stunden dort zu verbringen.

Stadtbild Phnom Penh

Donnerstag, 01. Mai 2008

Vor zwei Tagen habe ich von einem künftigen Arbeitskollegen erfahren, dass Kambodscha noch in den fünfziger Jahren mit Blick auf die infrastrukturelle Entwicklung des Landes eine Art Vorreiterstellung in Südostasien einnahm (jedenfalls Phnom Penh). Damals war das Land durch das (sich langsam in Auflösung befindliche) französische Protektorat (Kambodscha wurde 1953 unabhängig) weit fortschrittlicher als bspw. Singapur. Es kamen damals sogar Kommissionen aus Singapur nach Phnom Penh, um sich hier über eine vernünftige Entwicklungspolitik zu informieren. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg und vor allem die Herrschaft der Roten Khmer haben von dieser Position nichts übrig gelassen.


Damals – in den fünfziger Jahren – wurde auch der Grundstein für das heutige Stadtbild gelegt. Während es hier durchaus eine Vielzahl prachtvoller Kolonial- und Art-deco-Bauten aus den 1920er – 50er jahren gibt, ist doch insgesamt für das Stadtbild eher ein Baustil prägend, der chinesisch inspiriert ist. Es handelt sich hierbei um zwei bis fünfstöckige Wohnhäuser, die aus Beton errichtet sind und vorne in der Regel auf jeder Etage Balkone haben. Interessant ist, dass diese Häuser fast niemals breiter als drei bis vier Meter sind. Unten gibt es einen großen Raum, in dem sich das gesamte Leben der Familien abspielt. Hier werden – je nach Business der Familien – tagsüber die Geschäfte erledigt. Sehr häufig befinden sich dort kleine Verkaufstellen für Getränke oder eine Art Lotto; fast immer bieten die Leute an, dass man dort von ihrem Mobiltelefon aus anrufen kann.

Je nach Reichtum der Familie ist dieser Raum im Erdgeschoss der einzige den sie haben, oder aber es gibt noch Räumlichkeiten in den oberen Etagen. Vielfach aber schläft die ganze Familie in dem Raum, der tagsüber der Geschäftsraum ist. Reichere Familien, die ein Auto besitzen stellen dieses dann auch noch in diesen Raum (natürlich nicht ohne dies zuvor noch mit einer Schutzhülle zu umspannen – Die haben doch alle einen Autofetisch!)
Die schmalen Häuser werden nun je nach Bedarf und wahrscheinlich vor allem Geld ausgebaut. Da wird auf das Dach noch eine kleine Hütte gesetzt, schließlich wird sie gemauert und bald ist eine komplette neue Etage entstanden.

Street Creds

Donnerstag, 01. Mai 2008

Dem frisch angekommenen Reisenden will sich nicht recht erschließen, wie sich denn im Chaos des Verkehrs letztlich doch eine Regelhaftigkeit durchzusetzen vermag. Da schlängeln sich Handkarren, große LKWs, Pick-ups, Fußgänger, einige Radfahrer und vor allem Mopeds auf der Strasse, und dann auch noch auf beiden Seiten der Strasse in beide Richtungen! Und doch funktioniert es.
Dabei scheinen die wesentlichen der uns bekannten Verkehrsregeln durchaus in Kraft zu sein. Grundsätzlich gibt es schon so etwas wie Fahrbahnen, teils gar doppelt durchgezogene Mittellinien; doch sind diese Regeln eher Empfehlungen an den geneigten Verkehrsteilnehmer, die einer strengen Einhaltung nicht bedürfen. Wer also etwa auf eine große Strasse links abbiegen will und dafür zunächst den ebenfalls von links kommenden Verkehr abwarten muesste, der fährt kurzerhand solange auf der linken Fahrbahnseite, bis er sich nach und nach auf die seinige – die rechte – durchschlängeln kann. Sitzt man auf einem Mopedtaxi, kann einem schon angst und bange werden, wenn man sich plözlich von Gegenverkehr umrundet sieht. Ebenso sieht es an Kreuzungen aus. Hier fahren grundsätzlich erstmal alle auf diesselbe drauf, um sich dann nach und nach aneinander vorbeizumogeln.
Bemerkenswert ist auch die Verteilung der Verantwortlichkeiten. Fährt man auf der Strasse, so muss man scheinbar keineswegs notwendig geradeaus fahren. Die Leute schauen nicht, bevor sie nach links oder rechts fahren, sondern es ist die Pflicht des bspw. Abgedrängten zu Hupen und damit auf sich aufmerksam zu machen. Überhaupt ist Hupen eine wichtige Sache und heißt so viel wie: Ich werde nicht anhalten oder zur Seite fahren! Niemals also mit einem hupenden Fahrzeug anlegen, die meinen es ernst.

Für die eigene Fortbewegung ist man in Phnom Penh, wie überhaupt in Kambodscha, auf Mopedtaxis angewiesen, da es keinen öffentlichen Nahverkehr gibt. Angeblich wurde dieser einmal eingeführt, aber die Locals haben ihn schlicht nicht genutzt, da sie das Konzept zentraler Haltestellen nicht zu überzeugen vermochte. Und in der Tat, warum sollte man lange an Busshaltestellen warten, wenn doch überall Mopedtaxis zu erschwinglichen Preisen einen exakt dahin bringen, wo man hin will? Und Mopeds können ja bekanntlich auch alles transportieren: Familien, Schweine, Hühner, Bierkästen…
Während ich anfänglich durchaus noch mit Spaziergängen durch die Stadt sympathisiert habe, kann ich nun die Locals verstehen. Vor allem Tagsüber kann einen eine Mopedfahrt wahrlich vor dem Kreislaufzusammenbruch bewahren. Eine Alternative zu Mopeds gibt es im Grunde nicht; die sog. Tuk-tuks (Mopeds mit überdachten Ahängern, in denen recht bequeme Bänke sind) sind doppelt so teuer und nicht entscheidend besser; Taxis gibt es im Grunde nur vom Flughafen aus oder auf Bestellung. Eine Mopedfahrt im Stadtzentrum kostet ca. 2000 Real, also 0.50 US-Cent.
Das Chaos des Verkehrs zwingt die Leute aber letztlich zur Rücksichtnahme. Man kann guten Gewissens einfach über die Strasse gehen und die Fahrzeuge werden einen schon umfahren, man darf nur eben keine hektischen Bewegungen machen, dann wird alles gut.